Archäologischer Arbeitskreis (AAK)

Die Römer in Pont

Arbeitskreise  

Ausstellung des Archäologischen Arbeitskreises im Historischen Verein für Geldern und Umgegend „Die Römer in Pont“ vom 30.03. bis zum 20.04.2008                         

 Die Suche nach Mediolanum

Ein altes, aber immer wieder neu aufgegriffenes Thema im Archäologischen Arbeitskreis war „Mediolanum“. Mediolanum, was war es? Wo war es? Stimmen die Literaturangaben? Wozu diente es? Mit diesen Fragen hatte der Arbeitskreis ein Themenspektrum aufgegriffen, dessen Arbeitsinhalte nahezu unerschöpflich schienen.

  Mutmaßungen gab es in den letzten Jahrhunderten in heimatgeschichtlicher und wissenschaftlicher Literatur immer wieder. Der AAK hatte es sich zur Aufgabe gemacht alles bisher Bekannte zusammenzutragen und in Karten zu dokumentieren. Hieraus könnte die Grundlage geschaffen werden, um zu einem späteren Zeitpunkt gezielte archäologische Bodenuntersuchungen durchzuführen und die bisherigen Mutmaßungen wissenschaftlich zu untermauern.

  In verschiedenen Sitzungen wurden in den letzten 25 Jahren Teile dieses Themenkomplexes immer wieder aufgegriffen.  Eine besondere Aufmerksamkeit richtete sich auch auf die Römerstraßen in der Umgegend von Pont und die vielen bisher dokumentierten Fundstücke wie Münzen und Keramik. Es wurde daher systematisch alles bisher Bekannte zu diesem Thema gesammelt und  dokumentiert. Aufgrund der bereits datierbaren Fundstücke wie Münzen, Gebrauchskeramik und Metallgegenstände kann der Besiedlungszeitraum bestimmt werden.

  Zu Beginn unserer intensiven Aktivitäten war unser verstorbenes Mitglied Wolfgang Dassel einer der treibenden Kräfte unserer Gruppe. In nahezu jeder Sitzung gab er Hinweise oder neue Fundstücke zu unserem Projekt. Er hat uns dazu motiviert, in den letzten 3 Jahren mit sehr großem  Engagement an diesem Projekt zu arbeiten.

  Die Ausstellung „Römer in Pont“ zeigte die Ergebnisse dieser intensiven Arbeit. Es wurden Ausstellungsstücke aus der Römerzeit, die in Pont gefunden wurden, präsentiert. Hierzu gehörten insbesondere  Münzen, Glas-, Keramik- und Metallgegenstände sowie Karten und Fundbeschreibungen. Ein Teil der Funde wurde uns freundlicherweise durch die Museen in Kevelaer und Bonn und durch Privatpersonen zur Verfügung gestellt. 

Alle wichtigen Erkenntnisse sollten auf  einem Faltblatt zur Ausstellung dokumentiert werden. Alle Teilprojekte dieser Ausstellung „Römer in Pont“ sollten als Gedankenstütze in einem kleinen Heft für die AAK-Mitglieder und besonders interessierte Ausstellungsbesucher zur Verfügung gestellt werden. Da die komplette Erstauflage dieses Heftes bereits am ersten Ausstellungstag vergriffen war wurden nachträglich mehr als 100 Exemplare für die weiteren Ausstellungstage erstellt.

  Diese Ausstellung wurde von vielen ehrenamtlichen Helfern, Sponsoren, privaten Sammlern und verschiedenen Archiven unterstützt. Ein besonderer Dank gilt dem Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer, dem Landschaftsverband Rheinland und dem LandesMuseum Bonn für die Überlassung der verschiedenen Leihgaben.

  Das Ausstellungskonzept

In den Vitrinen am Eingang zur linken Seite des Ausstellungsraumes sind überwiegend die Fundstücke aus den Museen untergebracht, die in verschiedenen Beschreibungen bereits veröffentlicht wurden. Das sind besonders schöne Glas-, Keramik- und Metallgegenstände des täglichen Lebens sowie Urnen und Grabbeigaben. Diese und viele weitere Gegenstände wurden in den letzten beiden Jahrhunderten wie zu jeder Zeit durch “Jäger und Sammler“ zusammengetragen. 

Einige der „Jäger und Sammler“ u. a.  Michael Buyx, Constantin Ruys, Freiherr Max  Geyr von Schweppenburg  hatten die Notwendigkeit der Dokumentation dieser Fundstücke und Fundstellen erkannt und durchgeführt. Darüber hinaus wurde an einigen Stellen gezielt gegraben, um noch mehr zu erfahren.

Die Fundstücke wurden genau beschrieben.

Darüber hinaus gibt es auch in Pont interessierte Bürger, die einzelne Stücke auf den Feldern, in Baugruben oder bei Straßenbauarbeiten gefunden haben und über verschiedene Wege ihre Fundstücke den Museen zur Veröffentlichung übergeben haben. Die Mitglieder des AAK haben für diese Ausstellung nicht nur die Fundstücke sondern auch die Dokumentationen dazu an Schautafeln und in Vitrinen präsentiert.

  Zu dieser Dokumentation gehörte auch das älteste, überlieferte Kartenmaterial aus der Römerzeit (die Peutingerkarte) und die neuzeitlichen Karten mit den uns bekannten Ortsbezeichnungen.   

Heute kennen wir die nach dem Gauss/ Krüger Koordinatensystem ausgerichteten Karten und die flächentreuen Karten nach Mercator, die alle eingenordet sind.

  Aus verständlichen Gründen wurde auf die genaue Kartierung der bekannten Fundstellen im Raum Pont verzichtet. Anhand von Arbeitskartenvergleichen und dem Geländezustand im Raum Pont nach der letzten Eiszeit kann man mögliche Besiedlungsschwerpunkte, die sicherlich auch in der Zeit zwischen ca. 100 vor Chr. und ca. 300 nach Chr. vorhanden waren, deutlich erkennen.

  Zum Siedeln gehören nicht nur die Dinge des täglichen Lebens, Gefäße, Gebäudeteile, Münzen, Ziegel usw., sondern auch die Kultplätze und damit wären wir bei dem römischen Grabstein.

  Der römische Grabstein

Einer der gewichtigsten Ausstellungsstücke war sicherlich der römische Grabstein des Veteran Priminius Tullius. Dieser Grabstein wurde 1874 bei Bauarbeiten an der Eisenbahntrasse von Wesel nach Venlo in der Ortschaft Pont gefunden. Die Eisenbahntrasse verlief sehr nahe an der alten Streckenführung der römischen Straße. Diese alte Römerstraße lag als leichte Erhebung im Gelände und verlief in der Regel sehr gerade.

  Der gefundene römische Grabstein ist ca. 67 cm hoch, ca. 45 breit und ca. 17 cm stark. Die Grabsteininschrift lautet mit einigen sinnvollen Ergänzungen:

Dis Manibus Primini(o) Tullio vet(erano) leg(ionis) XXX.V.V. Ulp(ia) Casua co{i}[n]iugi pietissimo et sibi viva fac(iendum) cur(avit).

Die Inschrift, deren Buchstaben ca. 5 cm groß sind, bedeutet auf deutsch übersetzt:

Den Totengöttern geweiht. Ihrem geliebten Gatten Priminius Tullius, Veteran der Dreißigsten Legion, der Ulpischen Siegreichen, und sich selbst ließ Ulpia Casua (diesen Grabstein) zu Lebzeiten errichten.

  Nach einigen Erkundigungen über den möglichen Verbleib des Grabsteins, der  im Buch von Fritz Geschwendt, Archäologische Funde und Denkmale des Rheinlandes, Kreis Geldern, aus den Jahr 1960 dokumentiert wurde, kamen wir auf das Rheinische LandesMuseum in Bonn. Dort wurde der Grabstein im ausgelagerten Magazin aufbewahrt. Um den Ausstellungsbesuchern einen Eindruck vom Grabstein zu geben sollte ein Abklatsch gefertigt und ausgestellt werden. Bei dem Abklatsch können die technischen Steinmetzarbeiten besser als am Original betrachtet werden. Zu einem späteren Zeitpunkt bekamen wir die Zusage, den originalen Grabstein des Veteranen aus der 30. Legion in der Ausstellung im Haus Lawaczeck präsentieren zu können. Die 30. Legion hatte ihr Standquartier in der Nähe der heutigen Stadt Xanten.

Bei einem geschätzten Steingewicht von ca. 80 bis 100 kg wurde der Transport zunächst zu einem Problem. Es wurde aber durch Zusammenarbeit mit dem Bonner LandesMuseum gelöst. Solche Grabsteine wurden zur Römerzeit an Kultplätzen neben den Straßen sowohl vor als auch hinter einer Siedlung aufgestellt.

  Römische Str aßen

In den ausgestellten Karten wurde der bisher gefundene und  vermutete Verlauf der römerzeitlichen Straßen eingezeichnet. Damit sich die Ausstellungsbesucher ein Bild von den damaligen Verhältnissen machen konnten, haben wir den Straßenbau in Bildern und in einem nachgebauten Lackprofil dargestellt.  Das Lackprofil zeigt im Maßstab 1:3 die Römerstraße senkrecht aufgeschnitten. So könnten wir die Straße noch unter dem Pflughorizont finden, wenn durch Ackerbau und sonstige Bodeneingriffe dieser Aufbau nicht zerstört worden wäre. Neben dem Lackprofil  haben wir einen römischen Meilenstein rekonstruiert. Das Original ist ca. 1000 kg schwer, über 2,20 Meter groß und wurde in der Nähe von Koblenz gefunden. Damit die Ausstellungsbesucher einen plastischen Eindruck von einem Meilenstein erhalten, wurde eine 150 cm hohe und 50 cm dicke Nachbildung erstellt. Dies entspricht in etwa dem aus dem Boden ragenden Teil eines römischen Meilensteines. Nur wenige Meilensteine wurden am Niederrhein gefunden. Einige haben eine Sekundärverwendung zum Beispiel im Haus- und Kirchenbau gefunden. Heute sehen wir an den Straßenkreuzungen auf gelben Schildern mit schwarzer Schrift die Orts- und Entfernungsangaben. Zur Römerzeit waren die Steine grau und die Hinweisschriftfarbe rot.

  Fundstücke in den Vitri nen

Ein ganz besonderes Fundstück in unserer Ausstellung ist der Seepanter, ein Fabeltier welches in der Raummitte präsentiert wurde. Dieses Fabelwesen wurde bei Stassenbauarbeiten (B9-Umgehung) gefunden. Diese Figur mit der sehr seltenen Fabeltierabbildung ist aus einem besonderen Metall (verzinntes Kupfer; Incoctilia). Der Seepanter ist etwa 11cm lang, wurde aufwendig restauriert und sehr gut dokumentiert.

  In  einer Vitrine wurden einige Fundstücke des täglichen Lebens zusammengetragen.

Dazu gehören besonders interessante Terra Sigillata- und Keramikscherben, deren Motive an den Stellwänden noch einmal beschrieben und als Zeichnung abgebildet waren.

  Gebrauchsgegenstände und Schmuckstücke aus Metall, Glas, Keramik, Horn und Stein sowie kleine Spielsteine waren in weiteren Vitrinen ausgestellt.

  In einer besonders beleuchteten Vitrine wurde eine große Auswahl der dokumentierten Münzfunde sowie deren genaue Beschreibungen sehr anschaulich präsentiert und erläutert.

  Eine Vision

Auf einer Stellwand haben wir mit Bildern versucht die Situation im römischen Pont oder Mediolanum nachzuempfinden. Da wir das ganze Umfeld der Besiedlung zur Zeit der Ausstellung noch nicht kannten, ist diese Tafel mit “So hätte es sein können“ überschrieben.

  Diese Ausstellung des Archäologischen Arbeitskreises wurde an 4 Sonntagen jeweils von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr von insgesamt über 500 Besucher besucht. Die Gästebuchkomentare und die Gespräche mit den Besuchern und die Reaktionen in der Presse zeigen eine sehr gute Resonanz.

  Ausblicke

Bei einer gezielten, flächendeckenden Begehung aller Ackerflächen im Bereich Pont und der genauen Kartierung aller bisherigen Fundstücke können die Lebenssituationen der zurückliegenden Jahrhunderte bis zur Römerzeit, vielleicht sogar bis zur Jungsteinzeit ermittelt werden.

Alle bisher bekannten Funde deuten auf einen Siedlungsbeginn etwa ein Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung hin. Ganz sicher sind wir uns bei der Zeit kurz vor unserer Zeitrechnung bis zum Beginn des 3. Jahrhundert nach Beginn unserer Zeitrechnung. Alle weiteren Fundstücke aus späteren Zeiten sind noch sehr spärlich und wurden in unserer Ausstellung nicht gezeigt. Ab dem 12. Jahrhundert erleichtern Urkunden und Schriftstücke sowie Gebäudedatierungen die Altersbestimmung.

Der Fundkomplex unserer Ausstellung bildete die Römerzeit ab. Die Römer hatten zu ihrer Zeit ein bestens ausgebautes Straßen- und Wegesystem. In den letzten Jahrhunderten wurden immer wieder römische Straßenabschnitte freigelegt. Da die Trassen sich in sehr vielen Fällen, so auch in der Umgebung von Pont als sehr brauchbar herausgestellt haben, werden diese Wege und Straßen zum Teil bis heute noch genutzt. Natürlich ist dies nicht mehr der gleiche Horizont wie zur ersten Straßenerrichtung. Durch die verschiedenen natürlichen und menschlichen Eingriffe in den Boden wurde die Oberflächen verändert. Es wurden  Wasserläufe  begradigt und wieder renaturisiert. Torfabbau, Erz- Ton-, Kies- und Sandgewinnung sowie die Trockenlegung ganzer Flächen veränderten die Landschaft. Diese Erdbewegungsmaßnahmen zerstörten Funde unwiederbringlich.

Vor einem absoluten Verlust wird heutzutage von allen beteiligten Ämtern eine Prüfung auf mögliche Fundstellen durch verschiedene Techniken durchgeführt. Hierzu gehören die Überprüfung der Fundstellendateien, die Magnetometerprüfung, Feldbegehung, Bohrungen,. Suchschnitte, Luftbilder usw. Auch unsere Politiker haben den Wert solcher Fundstellen erkannt. Lernen aus der Vergangenheit und gleichzeitiges Nutzen des gesteigerten Freizeitwertes sind möglich, wenn die Vergangenheit sichtbar und erlebbar gemacht werden kann.

Unsere Ausstellung zeigt den möglichen Siedlungsbeginn über die ersten Funde bis zu der Zeit, wo in diesem Gebiet die Siedlungsspuren römisch/germanisch geprägt werden. Die Menschen haben später die  vorhandenen römischen Ressourcen genutzt. So wurden neue Steinbauten in einer steinarmen Gegend zum Teil aus dem Abbruch alter Ruinen aufgebaut. Deshalb könnten in einigen alten Kellermauern  oder sonstigen Mauergründungen Reste der alten Siedlung Mediolanum stecken. Hier sind alle Bürger aufgefordert ihr Wissen für die wissenschaftliche Dokumentation zur Verfügung zu stellen. Wir vom Archäologischen Arbeitskreis unterstützen die Vorbereitungen einer wissenschaftlichen Dokumentation.

Klaus Oerschkes

siehe auch: Bilder der Ausstellung

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