Archäologischer Arbeitskreis (AAK)

Brunnen

Arbeitskreise  

Wasser aus einem offenen Gewässer zu schöpfen war sicher die erste und früheste Art der Wasserversorgung. Später ging man dazu über Wasserlöcher anzulegen, zu vertiefen und auszubauen. So entstanden die ersten Brunnen. Seit der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit dienten Brunnen zur Wasserversorgung der Bevölkerung. Wenn Brunnen versiegten oder Siedlungsstandorte verlegt wurden, verfielen die Brunnen und gerieten in Vergessenheit.

Im Laufe von 20 Jahren seit seines Bestehens, hatten die Mitarbeiter des archäologischen Arbeitskreises im Historischen Verein für Geldern und Umgegend bei der Beobachtung von Baugruben und Ausschachtungsmaßnahmen vielfach das Glück historische Brunnenanlagen zu entdecken und sie entsprechend archäologisch zu untersuchen. Die hierbei gemachten Funde, die Brunnendokumentation und ihre Auswertung werden in dieser Ausstellung vorgestellt.

Brunnen und Quellen im Niederrhein-Maas-Gebiet

Das Niederrhein-Maas-Gebiet zählt zu einer der grundwasserreichsten Regionen Euro­pas und liegt im Grenzgebiet Deutschlands und der Niederlande. Das Grundwasser kommt in erster Linie in den Sanden und Kiesen, Ablagerungen der Flüsse Rhein und Maas, vor. Lockergesteine wie Kiese und Sande werden als Porengrundwasserleiter be­zeichnet. Sie besitzen zwischen den einzelnen Körnern ein mehr oder weniger engma­schiges Hohlraumsystem, in dem sich das Grundwasser bewegt.

Die wenigen Quellen der Region sind überwiegend an die Stauchmoränen, wie Schaep­huyser Höhenzug, Bönninghardt, Sonsbecker Schweiz, Uedemer Hochfläche oder Reichswald gebunden. Dort staut sich das Wasser auf gestauchten, tonigen Schichten und tritt am Hang aus. Im Bereich des Viersener Höhenzugs treten Quellen an der Grenze zwischen tertiärzeitlichen Tonen und Sanden und Kiesen der Hauptterrasse auf.

Die Grenze zwischen Süß- und Salzwasser wurde in dieser Region bereits an mehreren Stellen erreicht – z. B. in den Bohrungen Arcen und Kevelaer. Die Versalzung des Grundwassers beginnt in etwa 300 m Tiefe. In Arcen wird das durch einen Brunnen in 887 m erschlossene Mineral- und Thermalwasser für balneologische Zwecke genutzt.

Die Geschichte der Grundwassererschließung in dieser Region ist alt. Zuerst wird man das natürlich aus Quellen austretende Grundwasser als Trinkwasser und Lebensmittel genutzt haben. Dort wo keine oder nur wenige Quellen vorhanden sind, hat man Brunnen, gefaßte Schächte zum Auffangen von Grundwasser gegraben und dann das Was­ser durch Schöpfgeräte oder später durch Saugpumpen nach oben befördert.

Die Tiefe des Brunnens richtet sich nach den Grundwasserverhältnissen. Der älteste nachgewiesene Brunnen in der Niederrhein-Maas-Region ist ein 7000 Jahre alter, jungsteinzeitlicher Brunnen aus Erkelenz-Kückhoven, der im Jahre 1989 durch das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege ausgegraben werden konnte. Dieser Brunnen ist zur Zeit das älteste erhaltene Holzbauwerk der Welt.

Unsere Zeit hat die Schönheit der historischen Brunnenanlagen wiederentdeckt. In vie­len Orten wurden Brunnen restauriert und in Funktion gebracht. Sie dienen heute nicht mehr der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung, sondern erfüllen eher einen archi­tektonisch stadthistorischen sowie einen ästhetischen Zweck.

Der Marktbrunnen in Geldern

Die Versorgung mit Wasser ist eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren einer Stadt. Nachdem offenbar bis ins 15. Jahrhundert jeder Bürger für sich selbst sorgen mußte, begann die Stadt Geldern im Jahre 1435 einen Brunnen zu graben, dessen Lage jedoch nicht angegeben wird. 1443 wird dann ein Brunnen auf dem Kornmarkt angelegt und 1457 gingen Bürgermeister, Schöffen und Rat durch die Stadt, um geeignete Stellen zur Anlage von Brunnen zu finden. Dieselben ließen 1483 den Brunnen auf dem Korn­markt an anderer Stelle neu errichten und ihn nach dem Muster eines Brunnens in Kem­pen, der mit Sandsteinen ausgebaut und mit einem Dach versehen war, von neuem ausführen. (Angaben bei L. Henrichs: Das alte Geldern.)

Dieser Brunnen stand danach einige Jahrhunderte lang auf dem Kornmarkt, der später in Kleiner Markt umbenannt wurde. Und ein ähnlicher, von dem allerdings keine genauen Daten bekannt sind, stand auch auf dem Großen Markt, denn der berühmte Kartenmacher Joan Blaeu zeichnete in seinem Stadt- und Festungsplan, dessen erste Auflage aus dem Jahr 1649 datiert, zwei deutlich erkennbare Brunnen auf diesen beiden Märkten der Stadt. Diese sind oben offen, mit Basaltsteinen ummauert und mit einem Bügel, wahr­scheinlich aus Eisen versehen. An dessen höchster Stelle war eine Rolle befestigt, über die mit einem Eimer Wasser aus dem Brunnen geholt werden konnte. Alle weiteren Karten und Pläne, die die Brunnen in der geschilderten Form zeigen, sind Kopien der Karten von Blaeu.

Im Laufe der Zeit wurden die offenen Brunnen nicht mehr benutzt und eingeebnet und man wußte nicht mehr, wo ihr Standort war. Bis im August 1986 bei Bauarbeiten auf dem Marktplatz der Brunnen vom Großen Markt gefunden und wieder ausgegraben und seine Form wieder sichtbar wurde. Dieser Brunnen bestand aus 63 bearbeiteten Ba­saltquadern, die auf einem Ring von Eichenbohlen ruhen. Aufgrund der Funde im Umfeld wurde damals eine Datierung ins 13. oder 14. Jahrhundert für wahrscheinlich gehalten. Die Steine des Brunnens wurden von einer Baufirma geborgen, sie wurden durchnum­meriert und auf den Bauhof der Stadt Geldern gebracht.

 

Sichtbare Denkmäler

Historisch wichtige Bodenfunde, z. B. von Brunnenanlagen, werden häufig bei Erdar­beiten – insbesondere beim Straßenbau, der Verlegung von Kabeln oder Kanalisation – gemacht.

Im günstigsten Fall kann der Fund, meist unter Zeitdruck, archäologisch untersucht und aufgenommen werden. Begleitfunde, zur Altersbestimmung wichtig, werden – soweit vorhanden – geborgen.

Nach kurzer Zeit ist die Fundstelle, von der Öffentlichkeit meist nicht wahrgenommen, wieder im Erdreich verschwunden.

In einigen Fällen ist es dem Archäologischen Arbeitskreis jedoch gelungen, die aufge­fundenen und dokumentierten Brunnen dem Vorübergehenden bewußt zu machen. So konnte in Twisteden, Kervendonk und Aldekerk auf Initiative des Archäologischen Ar­beitskreises ein Hinweis im überdeckenden Belag des Bodens eingebracht werden.

 

Ein Brunnenfund in Kervenheim

Mitglieder des Archäologischen Arbeitskreises und der Geschichtsgruppe Kervenheim legten im September 1993 in Kervenheim am Ende der Gerdtsstraße einen vollständigen und noch funktionstüchtigen Haus- oder Dorfbrunnen frei. Entdeckt wurde der Brunnen bei Baumaßnahmen im Zuge der Ortskernerneuerung. Dieser archäologische Fund wurde dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege gemeldet. Die Mitglieder der Ar­beitskreise hatten Gelegenheit, den Brunnen und die Umgebung eingehend archäolo­gisch zu untersuchen.

Das Bauwerk war sehr sorgfältig mit Feldbrandziegeln gemauert. Insgesamt hatte der Brunnen eine Tiefe von ca. 2 m. An das Vorhandensein dieses Brunnens konnten sich selbst die ältesten Dorfbewohner nicht mehr erinnern. Er befindet sich in unmittelbarer Nähe der Kervenheimer „Mühlenfleuth“. Die Lage des Brunnens neben einem Wasser­lauf stellt damit eindringlich die Frage nach der Brunnenfunktion, die aber bei den Unter­suchungen nicht geklärt werden konnte. Der Städteatlas zeigt 1820 an der Fundstelle keine Bebauung. Bis 1994 waren hier nur Gärten. Welchen Sinn macht aber ein sorgfäl­tig gemauerter Brunnen zur Gartenbewässerung neben einem Flußlauf?

Der Brunnen selbst ist nach der Befundaufnahme ins 19. Jahrhundert zu stellen, die äl­testen Scherben im Umfeld sind eindeutig auf den Zeitraum zwischen 1720 und 1770 zu datieren. Die Bodenuntersuchungen um den Brunnen herum brachten aber kein eindeu­tiges Ergebnis. Es fanden sich hier viele Gruben und Schichtenfolgen im Umfeld des Brunnens, die nicht interpretiert werden konnten. Ein Zusammenhang mit dem Brunnen konnte auch nicht hergestellt werden.

Schon beim Auffinden des Brunnens wurde ein Verdacht geäußert, der sich jetzt mit neueren archäologischen Beobachtungen in Kervenheim deckt. Denkbar ist, dass es sich um zu gewerblichen Zwecken angelegte und genutzte Becken handelt. Es ist be­kannt, dass in Kervenheim einige kleinere Gerbereien ansässig waren. 1867 schreibt der damalige Bürgermeister: „Eigentliche Gerbereien sind in der Bürgermeisterei Kervenheim nicht vorhanden, sondern es gerben nur einige wenige Schuster teilweise zu ihrem eigenen Bedarf.“ Mit dieser These „der Gerberei“ lassen sich viele Fragen zum Brunnen erklären. Leider fehlen aber die entsprechenden archäologischen Begleitfunde. Es wur­den keine Lederreste gefunden. Im Brunnen selbst fand sich nicht einmal ein kleines Ke­ramikstück.

Für eine weitere Frage und Enttäuschung sorgte ein neuzeitliches Eisenrohr, welches durch die Haube im rechten Winkel ins Wasser führte. Ohne Zweifel war hier eine Pumpe angeschlossen. Das Rohr endete nach 2 m, so dass auch hier nur Mutmaßun­gen angestellt werden können. Mit großer Wahrscheinlichkeit führte das Rohr zu einer 50 m entfernten Holzbaracke. Hier war 1936 bis 1937 der örtliche Kindergarten unterge­bracht. Es ist durchaus denkbar, dass der Brunnen u. a. der Wasserversorgung des Kindergartens diente.

Konnte das Alter des Brunnens nicht eindeutig nachgewiesen werden, so handelt es sich dennoch um ein herausragendes Bodendokument. Beispielhaft für den Denkmalschutz wurde der Brunnen mit einer Stahlplatte abgedeckt und durch besondere Pflasterung im Straßenzug markiert.

Mitglieder des Archäologischen Arbeitskreises und der Geschichtsgruppe Kervenheim legen im September 1993 in Kervenheim am Ende der Gerdtsstraße einen vollständigen und noch funktionstüchtigen Haus- oder Dorfbrunnen frei. 

Entdeckt wird der Brunnen bei Baumaßnahmen im Zuge der Ortskernerneuerung. Dieser archäologische Fund wird dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege gemeldet. Die Mitglieder der Arbeitskreise haben Gelegenheit, den Brunnen und die Umgebung einge­hend archäologisch zu untersuchen.

  Der Brunnen ist sehr sorgfältig mit Feldbrandziegeln gemauert. Insgesamt hat der Brun­nen eine Tiefe von ca. 2 m. Die Brunnenöffnung beträgt 85 – 80 cm. Sie ist etwas oval. Die Mauerdicke beträgt etwa 25 cm. Aufgemauert ist der Brunnen auf einem Eichen­kranz. Die Baugrube ist sehr eng und sorgfältig angelegt, sie mißt höchstens 10 cm.

Der Kervenheimer Brunnen ist nach der gesamten Befundaufnahme ins 19. Jahrhundert zu stellen. Die ältesten Scherben im Umfeld sind auf den Zeitraum zwischen 1720 und 1770 zu datieren. Die Bodenuntersuchungen um den Brunnen herum bringen kein ein­deutiges Ergebnis. Es finden sich sehr viele Gruben und Schichtenfolgen im Umfeld des Brunnens, die nicht interpretiert werden können.

 

Ein römischer Brunnen in Pont

Im Oktober 1980 wurde auf einem Grundstück an der B 58 in Pont von Bauarbeitern ein römischer Brunnen freigelegt. Mitglieder des archäologischen Arbeitskreises konnten damals die Fundstelle sichern und untersuchen.

Die Unterkante der Brunnensohle befand sich 2,73 m unter Straßenniveau. Anhand des geputzten Profils konnte festgestellt werden, dass der Brunnen in den gewachsenen Bo­den eingegraben worden war. Anschießend hatte man die Grube mit humosem Sand gefüllt.

Der Brunnen hatte ursprünglich aus einem hölzernen, rechteckigen Kasten von 91 cm Länge und 62 cm Breite bestanden. Die Höhe betrug 74 cm. Die Stärke der Bohlen war unregelmäßig. Sie reichte von 5 bis 8,5 cm an der Vorder- und Rückseite, bis 2 – 5 cm an den Seitenteilen. Bemerkenswerterweise waren die Bohlen an der Vorder- und Rück­seite ausgeklinkt, womit eine gewisse Stabilität geschaffen wurde. Zusätzlich waren die Ecken durch aufgenagelte Leisten verstärkt.

Die Brunnensohle bestand aus einem Kies-Sand-Gemisch. Auf dieser Schicht war eine Lage von dicken Kieseln verlegt. Diese Kiesel hatten einen Durchmesser von 5 bis 8 cm. Auf den Kieseln wurde eine Vielzahl von Keramikscherben gefunden. Auf der Rückseite zwischen zwei Bohlen entdeckte man eine verzierte Terra-sigilata-Scherbe.

(Auszug aus Gerd Koppers: Ein römischer Brunnen in Pont, GHK 1982, S. 60 – 62)

 

Aldekerker Mergelsteinbrunnen

Während am 28. 1. 1990 unter Glockengeläute Besucher der Samstagabendmesse ins Aldekerker Gotteshaus gingen, legten 2 Meter unter der Marktstraße an der Kirche Mit­glieder des Archäologischen Arbeitskreises des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend auf Hinweis von Pfarrer Wilmsen Mauerreste frei.

Hierbei wurde in der Baugrube für Kanalarbeiten ein Brunnenrand aus hellem, grau und gelbem Mergelstein freigelegt. Der Brunnen war durch Spundwände zur Stützung nicht mehr vollkommen rund erhalten. Der Innendurchmesser betrug 95 cm. Die radial be­hauenen Mergelbrunnensteine sind 17 x 17 x 36 cm groß. In den vertikalen Fugen be­fanden sich teils 5 – 10 mm dicke Ziegelplättchen als Keile.

Die Tiefe der Baugrube betrug 2 – 3 m. Im Brunnen wurden nach ca. 1,8 m wegen der seitlich abbrechenden Sandschichten weitere Arbeiten eingestellt und am folgenden Montag von der Baufirma nochmals 2 m ausgehoben. Im Aushub befand sich verfüllter Sand, Kies und einige neuzeitliche Scherben und Ziegel.

Weitere Beobachtungen der Kanalarbeiten auf der Marktstraße ergaben im Aushub noch Knochenreste, Bruchstücke von Siegburger Keramik und graublauer Ware. Bei einer Straßenhöhe von + 36 m NN, einem Grundwasserspiegel von + 28 m NN und einer an­genommenen Brunnentiefe im Grundwasser von 2 m ist die Grabung etwa 3 m über dem Grundwasser eingestellt worden.

Bei der Umlage der vermessenen Fundstelle auf den Gemeindeplan von 1820 (P. M. Buyx) ergibt sich, dass die Brunnenanlage direkt westlich an dem bis 1843 bestehenden alten Pastorat liegt.

Alter des Brunnens

Weitere Mergelsteinbrunnen, die aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammen, sind aus dem limburgischen Raum bekannt, so z. B. in Valkenburg unter der Burg, in der „Weißen Stadt“ Thorn, in der Burg Kessel und an der Burg Horst. Die räumliche Nähe des Roer­monder Klosters zum Maastrichter Mergelabbaugebiet und die zeitliche Nähe des Alters bekannter anderer Mergelsteinbrunnen zu der Übertragung der Patronatsrechte von Al­dekerk an das Kloster können für ein Brunnenalter (13. Jahrhundert) von ca. 750 Jahren sprechen.

Hinweise zum Brunnen aus der Geschichte zum Pfarrarchiv im Antiqua Ecclesia (AE 1977)

Im Jahre 1249 erhielt Aldekerk einen Pfarrer. Der Bau eines Pastorats ist in Folge anzu­nehmen. Diese muss mehrmals wegen Brand, Verfall und Plünderung in den nächsten Jahrhunderten neu errichtet bzw. instandgesetzt werden. Letzter Wiederaufbau des alten Pastorats war 1642 nach einem Brand. Im Jahre 1786 wird vom Kirchmeister gegen eine bauliche Änderung des Pastorats eingewendet, dass eine eigene Pumpe im Hause überflüssig sei, denn vor dem Fenster stünde eine Pumpe und der Pastor sei verpflich­tet, zu den Kosten der Pumpennachbarschaft beizutragen (AE 1977, S. 220).

 

Bodenfunde aus Aldekerk

Während der Kanalbauarbeiten im Ortskern von Aldekerk kamen im Zeitraum von Ja­nuar bis Juni 1990 aus dem Aushubmaterial im Umfeld des Mergelsteinbrunnens Kera­mikscherben, Knochenreste und Eisenteile zum Vorschein. Da diese Fundstücke durch die Mitarbeiter des Archäologischen Arbeitskreises aus dem zwischengelagerten Erd­reich herausgesucht wurden und nicht aus den Fundschichten direkt geborgen werden konnten, ist eine Zuordnung der Funde zu einem bestimmten Bodenhorizont nicht mög­lich.

Durch die Vielfalt der Gefäßformen und der Macharten der Keramik sowie der bestimm­ten regionalen Eigenheiten des Töpferhandwerks ist jedoch eine etwaige zeitliche Ein­ordnung der Keramikfunde möglich.

  Graublaue Ware

Graublaue Kugeltöpfe dominierten in den mittelalterlichen Haushalten von Aldekerk vom 10. bis 13. Jahrhundert. Es waren vor allem Reste von Kugeltöpfen – teilweise mit Wel­lenfuß – die aus dem Erdaushub geborgen wurden.

  Siegburger Keramik

Siegburg ist eines der ältesten Töpferzentren des Rheinlandes. Die Fundstücke aus weißbrennendem, feinem Ton mit Wellenfuß zeigen Merkmale sog. Siegburger Keramik des 14. bis 16. Jahrhunderts.

  Glasiertes Steinzeug

Für die Töpferzentren um Frechen, Langerwehe, Raeren war vom 17. bis 19. Jahrhun­dert Produkte typisch, die bei einem braunen, eisenhaltigen Ton durch eine Salzglasur bei einer kräftigen Oxidation fleckig, braunrot gebrannt waren. Reste solchen Steinzeugs wurden in Aldekerk gefunden.

 

Ein neuzeitlicher Brunnenbefund aus Twisteden

Im April 1991 wurde bei Kabelverlegungsarbeiten während der Renovierung des alten Pastoratsgebäudes auf der Kuhstraße in Twisteden von dem Besitzer Werner Neumann ein neuzeitlicher Brunnen entdeckt.

Bei den Instandsetzungsarbeiten für den Brunnen am 18. April 1991 wurde den Mitar­beitern des Archäologischen Arbeitskreises die Möglichkeit zur Untersuchung geboten.

Der Brunnen ist aus Ziegelsteinen gemauert, die Tiefe betrug 8,30 m und der Innen­durchmesser 1,00 m. Oben am Brunnen aufgesetzt befand sich eine Backsteinkuppel.

Anfangs wahrscheinlich als Schöpfbrunnen benutzt, wurde eine Seite des Brunnenkranzes nach einem Anbau eines kleinen Seitenflügels am Pastoratsgebäude von der Gebäudemauer teilweise überbaut. Irgendwann nach Fertigstellung dieses Umbaus wurde eine Backsteinkuppel oben auf den restlichen, offenen Kranz aufgesetzt. Ein Bleirohr durchzog diese später angesetzte Kuppel bis unten ins Grundwasser, so dass das Was­ser mechanisch bis zur Oberfläche befördert werden konnte.

Bei der Säuberung des Brunnenschachtes nach der Absenkung des Wasserspiegels durch eine Pumpe war es möglich, bis zur Sohle hinunterzusteigen. Dabei wurde festge­stellt, dass der Brunnen auf einen Birkenholzkranz aufgebaut worden war. Beim Aus­schlämmen von überflüssigem Sediment im Sohlenbereich fand man einen Bierkrug aus dem 19. Jahrhundert, eine Kanne aus dem späten 18. Jh., eine Keramikscherbe aus der Mitte des 18. Jh. und zwei Eisenringe eines Holzeimers.

Durch die Keramikfunde kann man vermuten, dass der Brunnen vor 1790 gebaut wurde.

Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten wurde durch den Eigentümer Werner Neu­mann der Brunnen aufgemauert, so dass jetzt jeder die Möglichkeit hat, den Brunnen als sichtbares Denkmal zu bewundern.

 

Spätneuzeitlicher Brunnen aus Kevelaer

Beim Abriss eines Hauses im Oktober 1996, auf der Marktstraße, dem alten Rathaus gegenüber, wurde bei Ausschachtungsarbeiten ein Brunnen freigelegt, der durch die Mitarbeiter des Archäologischen Arbeitskreises dokumentiert werden konnte.

Er stand in der südlichen Baugrubenprofilwand. Ein Drittel des Brunnens war während der Ausschachtungsarbeiten von einem Bagger durchschnitten worden.

Das Brunnenmaß von der Oberkante des Kranzes bis zur Baugrubensohle betrug 1,80 m. Der Brunnen war zusammen mit der Kuppel als Einheit aus zusammenzementierten Backsteinen gebaut worden. In der Kuppel befand sich eine Öffnung für ein Rohr. We­gen des steigenden Grundwasserspiegels bei der Untersuchung konnte die Unterkante des Brunnens nicht erreicht werden. Es ist aber zu vermuten, daß die Brunnenunter­kante nicht viel tiefer als die Baugrubensohle lag, da der hölzerne Unterbau sichtbar war. Die ursprüngliche Baugrube des Brunnens war als Erdverfärbung noch deutlich in der Profilwand zu sehen und betrug eine durchschnittliche Breite von 1,80 m. Der Brunnen selbst hatte einen Innendurchmesser von ca. 1,0 m .

Da keine Funde bei der Brunnenuntersuchung zutage traten, ist es schwierig, diesen Brunnen zu datieren. Obwohl ältere Kevelaerer Bürger aus der direkten Nachbarschaft keine Erinnerung an diesen Brunnen haben, vermutet man, dass der Brunnen aufgrund seiner Lage und wegen der Benutzung von Zement aus dem späten 19. bis frühen 20. Jahrhundert stamme.

Nach dem Neubau des Hauses Nr. 54 wurden die restlichen verbliebenen zwei Drittel des Brunnens in der Profilwand mit Sand aufgefüllt und bleiben so im Boden erhalten.

 

Zwei Brunnenbefunde beim Bau

 des Theodor-Heuß-Rings in Kevelaer

In der Zeit zwischen Herbst 1991 und Sommer 1995 wurde beim Aufbau eines circa 60.000 m² großen Neubaugebiets (Theodor-Heuß-Ring) in Kevelaer vom archäologischen Arbeitskreis eine Baubegleitung unternommen. In diesem Gebiet befand sich eine Schanze, die zum erstenmal im Jahre 1595 schriftlich erwähnt wurde. Während der Ausschachtungsarbeiten wurde ein Graben dieser Schanze gefunden sowie die Reste von zwei Brunnen.

Der erste Brunnen wurde – leider im Abraum einer ausgeschachteten Hauskellergrube –, entdeckt und nicht ordnungsgemäß bei der Baufirma gemeldet (siehe Plan Baugrube 1). Er bestand aus mehreren, etwa 1,5 m langen, 50–70 cm breiten und 10 cm starken Holzbohlen. Nach Säuberung der Bohlen konnte man eindeutig Bearbeitungsspuren be­obachten. Die Baumaußenkanten kamen deutlich durch die Rindenstruktur und die Ast­narben zum Vorschein. Auf der Innenkante der Hölzer waren Bear­beitungsspuren auszumachen, die auf das Aushöhlen eines Baumes durch Beilhiebe zu­rückzuführen waren. Am unteren Ende waren die Hölzer keilförmig angespitzt. Als Be­sonderheit war festzustellen, dass eine Holzbohle, die vermutlich gerissen war, am obe­ren Ende durch einen Holzriegel, der in einer schlitzartigen Auskerbung verlief, mit Holz­dübeln zusammengehalten wurde. Bei den Holzbohlen handelt es sich um Reste einer Brunnenfassung aus einem ausgehöhlten Baumstamm. Man entnahm eine Scheibe die­ses Brunnens, um eine dendrochronologische Altersbestimmung (Datierung durch das Zählen von Jahrringfolgen), durchzuführen. Leider waren für diese Art der Altersbestim­mung nicht genügend Jahresringe vorhanden. Eine zweite Probe ist vor kurzem zur C14-Bestimmung weggeschickt worden, ein Ergebnis steht noch aus.

Der zweite Brunnen wurde ebenfalls in einer ausgeschachteten Hauskellergrube (siehe Plan Baugrube 3) entdeckt. Dieser Befund zeichnete sich als kreisrunde Verfärbung mit einem Durchmesser von 2,7 m im helleren Sand der Baugrubensohle ab. Die Verfärbung befand sich etwa auf derselben Höhe wie der zu dieser Zeit herrschende Grundwasser­spiegel. Das Grundwasser stieg aus dem hellgelben Sand und Kies ganz leicht auf und bedeckte wenige Zentimeter hoch die Baugrubensohle. Deutlich hob sich hiervon eine kreisrunde Struktur aus dunkelgrauem Ton und Feinsand ab. Einzelne humose Stücke und Holzreste befanden sich in der Tonfüllung, dazu auch eine Holzplanke von 20 cm Länge, 8 cm Breite und ca. 3 cm Stärke und eine Keramikscherbe. Diese Brunnensohle wurde durch Pollenanalyse grob bestimmt.

Aussagen über Klimaveränderungen und damit verbundene Wandlungen im Land­schaftsbild können aus der Zusammensetzung des Blütenstaubs in entsprechenden Bo­denschichten abgelesen werden. Auch eine grobe zeitliche Einstufung der Schichten ist mit dieser Methode möglich. Diese Untersuchung wurde an eingespülten Sedimenten der Brunnensohle im „Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen“ in Krefeld unter­sucht. Aus diesem Ergebnis läßt sich der vorzeitliche Pflanzenbewuchs rekonstruieren (siehe Diagram). Die auf dieser Untersuchung basierende, vegetationsgeschichtliche Einstufung des Sediments hat ergeben, dass es aus dem „Subboreal“ stammt, einer späten Wärmezeit von 3000 bis 1100 v. Chr.

 

Datierungsmethoden von Brunnenhölzern

Die Dendrochronologie – ein Kalender in Jahrringfolge

Sieht man sich eine Baumscheibe genauer an, so erkennt man, daß sie ein Muster en­gerer und weiterer Baumringe aufweist. In feuchten Jahren wachsen Bäume mehr, in trockenen Jahren weniger. Der jährliche Wachstumsring ist dementsprechend dicker oder dünner. Mit Hilfe dieser Methode sind Wissenschaftler im Stande, durch den Ver­gleich einer ausreichenden Anzahl junger und alter Bäume, eine fortlaufende Chronik für Baumringe zur erstellen, die Hunderte von Jahren zurückreicht. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft lassen sich mit Hilfe dieser Methode Hölzer datieren, deren Fälldatum etwa 5000 Jahre vor heute liegt.

Entnimmt man eine Holzprobe aus der Wandung eines hölzernen Brunnens, die eine ausreichende Anzahl von Jahrringen ausweist, so kann man aus der Abfolge weiter und enger Ringe mit Hilfe einer Tabelle das Fälldatum des Holzes bestimmen. Diese Wis­senschaft, die Dendrochronologie, abgeleitet von dendron, dem griechischen Wort für Baum, ist heute ein wichtiges Datierungsmittel in der Archäologie.

 

Datierungsmethoden von Brunnenhölzern

Die C-14-Methode oder die Radiokarbondatierung

Die Datierung organischen Materials mit Hilfe des in ihm enthaltenen Kohlenstoffs 14, C-14, ist heute eine der gebräuchlichsten absoluten Zeitbestimmungsmethoden.

C-14 ist ein Radioisotop, das sich natürlich in der Atmosphäre als ein Ergebnis kosmi­scher Strahlung bildet. aber die Assimilation wird ein geringer Anteil C-14 von Pflanzen aufgenommen und gelangt über die Nahrungsaufnahme in die lebende organische Sub­stanz. Sobald ein Organismus stirbt, hört die Aufnahme neuer kohlenstoffhaltiger Mole­küle auf. Nach dem Tod eines Organismus zerfällt der aufgenommene Radiokohlenstoff C-14 unter Aussendung radioaktiver Strahlung in Stickstoff-14. Die Geschwindigkeit mit der eine Menge von radioaktiven Atomen zerfällt, wird durch ihre Halbwertszeit be­schrieben. Die Halbwertszeit von C-14 beträgt ca. 5.730 Jahre. Nach dieser Zeit ist nur noch die Hälfte des einstmals in einem organischen Stoff enthaltenen Radiokohlenstoffs C-14 enthalten. Die andere Hälfte wurde in diesem Zeitraum in Stickstoff-14 umgewan­delt. Dies bedeutet, daß sich das Alter einer organischen Probe bestimmen läßt, indem man feststellt, welchen C-14-Anteil sie noch enthält.

 

Datierungsmethoden von Brunnenablagerungen

Die Pollenanalyse – Auswertung von Pflanzenfunden

Als Pollen wird der Blütenstaub der Samenpflanzen bezeichnet. Pollenanalytiker unter­suchen den Blütenstaub, der auf den Boden abgesunken und unter günstigen Umstän­den in feuchten Ablagerungen wie in Mooren, Sümpfen, Auen eingelagert ist. Mitunter sind Pollen auch in den Sedimenten eines aufgegebenen Brunnens enthalten.

Pollen können sich wie alle organischen Substanz nur dort erhalten, wo sie unter Luftab­schluß eingebettet sind. Aus dem Bodenprofil zum Beispiel eines vollständig ver­schlämmten Brunnens werden von oben nach unten im Abstand von einigen Zentimetern Proben entnommen. Über die Bestimmung von Pollen, aber auch Sporen oder Samen und Früchte einer jeden Probe läßt sich ein differenziertes Bild der Abfolge der Klima- oder Besiedlungsgeschichte einer Region erlangen.

Im Laufe der Forschungsgeschichte stellte sich heraus, daß jede Epoche spezifische Charakteristika in der Zusammensetzung des Pollenspektrums aufweist, die auf regio­nale Änderungen der Vegetation zurückgehen. So lassen sich aus dem Pollenspektrum kalte und warme sowie trockene und feuchte Klimaphasen, oder das Verhältnis zwischen Wald- und Offenland in der Nähe eines archäologischen Siedlungsplatzes erkennen. Über das jeweilige Pollenspektrum ist auch der Nachweis bewirtschafteten Acker- und Grünlands oder gerodeten Waldlands zu einer bestimmten archäologischen Epoche zu führen.

 

Konservierungsmethoden in der Archäologie

Die Konservierung wurde bereits in der Frühzeit mit verschiedenen Materialien betrie­ben. Zur Eisenzeit wurde z.B. die Holzkonservierung durch Rindenpechanstrich oder Anbrennen der Holzteile erreicht. Lebensmittel und Gebrauchsgüter wurden in der Ver­gangenheit durch verschiedene Methoden wie Kühlen, Gefrieren, Einkochen, Trocknen, Salzen, diverse Oberflächen- und Tiefenbehandlungen, u. a. Anstreichen, Eintauchen, Einpressen, haltbar gemacht bzw. die Nutzungsdauer verlängert. Hierdurch sind einige archäologische Fundstücke bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. In der Archäologie wird versucht, relevante Fundstücke so zu erhalten, wie sie vorgefunden wurden, ohne dass die Teile durch Umwelteinflüsse weiter zerstört werden können. Zur Konservierung der vielen Materialien bieten sich unterschiedliche Methoden und Hilfsstoffe an.

Neben der Mineralienkonservierung nimmt die Holzkonservierung einen großen Raum ein. Eine Nassholzkonservierung ist häufig mit einer optischen Veränderung der Teile verbunden. Hierzu wird das Holz mit Wasser, Steinkohlenteeröl, Kunstharz oder einer Salzlösung getränkt. Eine Nassholzkonservierung ohne große optische Veränderungen bieten auch die Kunstharzmethode und die Zucker­lösungs­methode.

Die Erhaltung archäologisch wertvoller Funde sollte ohne optische Veränderungen, mit hoher mechanischer Stabilität und hohem Widerstand gegen Schädlingsbefall erfolgen. Konservierungsvarianten mit dauerhafter Veränderung der Zellstrukturen, der physikali­schen und chemischen Eigenschaften sind in speziellen Bereichen unumgänglich. Aus der Vielzahl der heute gebräuchlichen Verfahren haben sich die Konservierung mit Po­lyäthylenglykol ( PEG ), ein Kunstwachs, und die Behandlung mit Zucker als interessant erwiesen. Besonders der Zuckerkonservierungsmethode, die in den letzten Jahren in verschiedenen Versuchen und Abhandlungen breitgefächert beschrieben und auf inter­nationalen Konferenzen tiefgründig und kritisch diskutiert wird, hat man große Beachtung geschenkt. Die von Dr. Morgos ( Ungarn ) verwendete Methode beginnt mit einer Lösung von ca. 50 g Zucker pro Liter. Die Konzentration wird alle zwei bis drei Tage um weitere 50 g pro Liter erhöht, bis es zu einer Gesamtkonzentration von 750 g pro Liter kommt. Danach werden 50-g-Dosen nur noch zugesetzt, wenn der gesamte Zucker in der Lö­sung aufgelöst ist. Die Endkonzentration beträgt 1050 g pro Liter. Diese Behandlung dauert vier bis fünf Monate, dickere Hölzer brauchen länger. Getrocknet wird anschlie­ßend an der Luft oder unter einer etwa 10 bis 20 cm starken Sandschicht, um zu schnelles Austrocknen zu vermeiden. Einige Vorteile für die Konservierung von Nassholz durch Zucker sind folgende: Bei einer Konservierung mit Zuckerlösung werden nur ein Viertel der PEG-Kosten benötigt. Wegen des kleinen Molekulargewichts hat der Zucker ein beachtliches Eindringungsvermögen. Er dringt nicht nur tief ins Holz ein, sondern so­gar in die Zellwände, wo er über Wasserstoffbrückenbindung an die Zellwand und deren Abbauprodukte gebaut werden kann. Der in den Zellen kristallisierende Zucker führt zu einer hervorragenden Stabilisierung. Da Zucker auch bei Raumtemperatur leicht löslich ist, kann auf eine Erwärmung der Behandlungslösung verzichtet werden. Die Methode ist vollständig reversibel. Behandeltes Holz behält seine natürliche Farbe. Materialkombina­tionen Holz/Eisen lassen sich ohne vorherige Demontage behandeln. Erst seit den An­fängen der 90er Jahre hat man häufiger mit der Zucker­lösungs­methode konserviert. Der Erfolg durch diese Methode auf archäologische Holzteile ist aufgrund der Langzeit­wirkung noch nicht abzusehen.

Ein römischer Brunnen

Fundort: Hoogriebroek bei Venray

Rekonstruktion im Maßstab 1:2

Bei Bodenuntersuchungen zum Bau der Autobahn A73 wurde vor Venray ein Brunnen gefunden. Auf dem Hofgelände von P. lag ein großer Brunnen. Dieser hatte einen vier­eckigen Durchschnitt und bestand aus vier Eckpfählen mit horizontal aufeinandergesta­pelten Eichenbalken. An der Oberfläche ist das Holz verschwunden, aber der tiefere Teil in und unter dem Grundwasserspiegel ist erhalten geblieben. Das Wasser verhinderte, dass Mikroorganismen des Bodens das Holz angreifen konnten. Das Eichenholz dieses Brunnens war durch das Aufmessen der Jahrringe dendrochronologisch zu bestimmen. Das Holz dieses Brunnens scheint im Jahr 230 geschlagen zu sein. Nach diesem Brun­nen ist der Parkplatz an der Ostseite der A73 benannt worden.

Literatur: De weg terug, Archeologische ontdekkingen langs de A73 bij Venray 1997. ISBN 90 6825 197X/NUGI 644.

 

Brunnenfunde des Archäologischen Arbeitskreises

Wo andere Befunde in Stadtkernen und Siedlungen längst gestört wurden, reichen Brunnen bis zum Grundwasser bzw. dem ehemaligen Grundwasserniveau hinab. Da­durch sind die Erhaltungschancen für Brunnen günstig im Vergleich zu anderen Sied­lungsbefunden. Die gefundenen Fundmaterialien in den Verfüllungsschichten des Brun­nens sind oft wegen der feuchten und sauerstoffarmen Lage noch sehr gut erhalten. Ar­tefakte, Speiseabfälle und organische Stoffe spiegeln Handwerk und Handel, Kleidung, Ernährung und Hausrat sowie Krankheiten und damit auch die Wirtschafts- und Sozial­struktur der damaligen Siedlung wider.

Beim Bau eines Brunnens sind für den Typus zwei Hauptfaktoren entscheidend:

1)   der vorhandene Rohstoff, der zum Brunnenbau benötigt wird,

2)   der Stand der technologischen Baukenntnisse.

Der älteste bekannte Brunnen der Welt ist 1990 in Kückhoven, Kreis Heinsberg im Rheinland, gefunden worden. Er stammt aus der Jungsteinzeit und wurde 5090 v. Chr. datiert. Dieser Kastenbrunnen wurde als Blockbaukonstruktion aus Spalthölzern zusam­mengesetzt und dieser Typus wurde bis heute in manchen Teilen der Welt verwendet. Von den Metallzeiten bis ins Mittelalter fand man auch Brunnen aus ausgehöhlten Baumstämmen. Seit der Besetzung durch die Römer hier im Rheinland verwendete man unter anderem Fässer, die im Boden vertieft und ineinander gefügt wurden, als Brunnen (Fassdaubenbrunnen). Dieser Typus setzte sich bis in die Frühneuzeit durch. Ebenfalls durch die Römer eingeführt wurden Röhrenbrunnen aus Steinquadern. Diese Art blieb auch bis in die Frühneuzeit bestehen, nur ersetzten dann Backsteine und Feldbrandzie­gel den ursprünglichen Baustoff.

Die Brunnen des Archäologischen Arbeitskreises sind als Zufallsfunde zu betrachten, und sie sind alle bei archäologischen Baubegleitungen gefunden worden. Während des 20-jährigen Bestehens des Archäologischen Arbeitskreises sind 26 Brunnenbefunde im Altkreis Geldern untersucht worden.

Hierbei unterscheidet man sechs verschiedene Befundtypen:

Typ 1.         Brunnensohle als Erdverfärbung: – vorgeschichtlich

Typ 2.         Holzkastenbrunnen: – römisch

Typ 3.         Baumstammbrunnen: – möglicherweise fränkisch?

Typ 4.         Fassdaubenbrunnen: – mittelalterlich bis frühneuzeitlich

Typ 5.         Röhrenbrunnen aus Sandstein, Mergelstein, Tuff oder Basaltquadern auf

                   senkrecht- und kreisgesetzte Eichenbohlen: – hochmittelalterlich bis früh-

                   neuzeitlich

Typ 6.      Röhrenbrunnen aus gemauerten Backsteinen auf Holzschwellenkranz:

                 frühneuzeitlich bis neuzeitlich. Die spätere, neuzeitliche Version

                hat meistens eine kuppelförmige Abdeckung aus Backsteinen.

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