Archäologischer Arbeitskreis (AAK)

Wissenschaftliche Untersuchungen zum Seepanther

Arbeitskreise  

Im Kölner Jahrbuch 33, 2000, S. 241 - 249 beschreibt Ute Klatt die Ergebnisse von Untersuchungen, die an zwei römischen Bronzefiguren gemacht wurden. Eine davon war das von unserem Mitglied Pastoors gefundene Fabelwesen, das hier Seepanther genannt wird. Untersucht wurde die Materialzusammensetzung mittels energiedispersiver Röntgen-Mikroanalyse .Diese ergab folgendes Ergebnis:

Seepanther Kupfer Zink Zinn Blei Eisen
Probe 1 48,67 8,68 42,65
Probe 2 47,48 34,87 15,58 2,06
Probe 3 42,66 37,22 18,41 1,70

(Alle Angaben in Gewichtsprozent)

Ute Klatt beschreibt die Figur wie folgt: Es handelt sich ... um eine 11 cm lange Statuette eines Seepanthers ..., der vor wenigen Jahren in Geldern-Pont gefunden wurde. Er war vermutlich als Zierrat oder Griff einem Gerät aufgenagelt, wie ein noch erhaltener Eisennagel am Ansatz des Fischschwanzes sowie eine Durchbohrung der Brust ... nahe legen.

Auswertung der Ergebnisse:

Die energiedispersive Röntgen-Mikroanalyse der Oberfläche an drei ausgewählten Punkten ergab einen Blei-Zinn-Messing mit Spuren von Eisen und auffallend hohen Zinnwerten. ... Die im IPC-Verfahren ausgewertete Materialprobe ergab gegenüber der Oberflächenanalyse ...verschobene Werte ... . Ein Großteil des Zinns hatte sich also ... auf der Oberfläche abgelagert, während die Legierung im Inneren des Metalls nur 7,8% Zinn ... aufwies.

Die Ablagerung von Zinn in der äußeren Schicht ist auf eine inverse Zinnsegregation zurückzuführen. Dies wird durch eine unter bestimmten Bedingungen durchgeführte zweite Erhitzung des Gussstücks erreicht, während der sich die in das Ausgangslegierung vorhandenen hohen Anteile an Zinn ... von dieser teilweise wieder separieren und an die Oberfläche verlagern, wo sie bestehende molekulare Lücken auffüllen.

Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturalis historia über eine gallische Erfindung, bei der Kupferobjekte so geschickt verzinnt wurden, dass man sie kaum von silbernen unterscheiden konnte. Diese Objekte bezeichnet er mit dem speziellen Namen incoctilia.

Bei dem Seepanther handelt es sich also um eine solche Incoctilia.

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