Vorträge

Vorträge  

Ankündigungen: Öffentliche Herbstvorträge HV 2019

Kreismusikschule Geldern, Beginn jeweils 20h, Eintritt kostenlos

1.) 9.9.2019

Dr. Matthias Schrör: Die Stauferkönige und der Niederrhein

Die hochmittelalterlichen Herrscher aus dem schwäbischen Adelsgeschlecht der Staufer geboten von ca. 1138 bis 1268 über ein riesiges, von der Nordsee bis Süditalien, von Burgund bis an die Ostsee reichendes Imperium. Die „Niederrheinlande" waren in jener Zeit Teil des in seiner reichspolitischen Bedeutung mehr und mehr eingeschränkten Herzogtums Niederlothringen, dessen Herzöge ihr Amt zunehmend ohne erblichen Anspruch ausübten. Namentlich das Erstarken der mächtigen Landgrafen von Brabant besiegelte das Ende des älteren niederlothringischen Herzogtums, das der Staufer Heinrich VI. im Jahre 1190 faktisch aufheben sollte. Der Vortrag beleuchtet schlaglichtartig die wechselhaften Beziehungen der einst mächtigsten Herrscherdynastie Europas zu unserer Heimatregion, in der auch der Graf von Geldern als bedeutender regionaler Reichsfürst nicht selten in die Händel der „großen" Politik hineingezogen wurde.

Dr. Matthias Schrör ist seit 2017 Direktor der Emilie und Hans Stratmans-Stiftung in Geldern.

 

2.) 7.10.2019

 

Dr. Stefan Kraus: „Sie konnten nicht anders als Widerstand zu leisten" – Opposition gegen den Nationalsozialismus in Bonn 1934/35

Die NS-Herrschaft war umfassend und wurde mit brutaler Macht vom Tag, als Hitler Reichskanzler wurde, durchgesetzt. Dennoch gab es bis Mitte der 30er Jahre an manchen Orten mehr oder weniger organisierte Widerstandsgruppen. Eine davon existierte in Bonn in den Jahren 1934/35. Ihr Kern bestand aus Studenten und Akademikern der Universität und betraf sowohl Kommunisten wie Sozialdemokraten, evangelischen und katholische Christen, Deutsche und Ausländer. Nach der Zerschlagung der Gruppe durch die Polizei 1935 gingen einige der Oppositionellen ins Gefängnis, andere wurden freigesprochen, blieben aber bis 1945 im kritischen Blick des Polizeiapparats. Der Vortrag des Historikers Dr. Stefan Kraus (Oberhausen) stellt Mitglieder und Aktivitäten der Gruppe Markov (so benannt nach ihrem Kopf Walter Markov) vor und wirft auch einen Blick auf das Schicksal der Widerständler nach dem Krieg in der Bundesrepublik und der DDR. Deutlich werden Möglichkeiten und Grenzen des Widerstandes in den ersten Jahren der NS-Diktatur, ebenso aber auch die Einschätzung dieses Widerstandes im Nachkriegsdeutschland.

Dr. Stefan Kraus ist freiberuflich tätiger Historiker aus Oberhausen. Seinen Vortrag hält er im Rahmen der Zusammenarbeit des Historischen Vereins mit der Niederrhein-Akademie/Academie Nederrijn (NAAN) und dem Institut für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung (InKuR) der Universität Duisburg-Essen.

3.) 28.10.2019

Prof. Dr. Hiram Kümper: Von Drachen und Dickwansten: Aus der Frühzeit der geldrischen Landesgeschichtsschreibung

Land definiert sich nicht nur über Herrschaft, nicht nur über Dynastie, Land definiert sich stark auch über Gemeinsamkeit – und zwar vor allem über eine gemeinsame Geschichte. Wie alle drei Dimensionen in der mittelalterlichen geldrischen Chronistik zusammenhängen, zeigt Hiram Kümper in seinem Vortrag. Dabei wird es um die legendarischen Ursprünge Gelderns und seines drachentötenden Grafengeschlechts ebenso gehen wie um die komplizierten Textverwicklungen spätmittelalterlicher Chronisten, die alle irgendwie voneinander abschrieben und trotzdem noch ganz viel Raum für Kreativität und Eigenes übrig hatten.

Dr. Hiram Kümper ist Professor für die Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit an der Universität Mannheim.

4.) 18.11.2019

Prof. Dr. Heinz Finger: Die Xantener Troja-Überlieferung im Rahmen der gallischen und der fränkischen Troja-Tradition

Die mittelalterliche Vorstellung von Xanten als dem „Neuen Troja" ist am Niederrhein noch heute allgemein bekannt. Der Vortrag bemüht sich einmal, deren Entstehung im Zusammenhang europaweit verbreiteter, von trojanischer Herkunft ausgehender Ursprungssagen zu erklären. Entscheidend sind dabei die verschiedenen, aber dennoch im wesentlichen übereinstimmenden Berichte über die Abstammung der Franken. Sodann sollen die erstaunlichen Besonderheiten in der Ausgestaltung dieser Überlieferungen am Niederrhein dargestellt werden, bis hin zur Präsentation eines klevischen Herzogs als Trojanerkönig. Auch der Versuch der politischen Instrumentalisierung im Spätmittelalter wird behandelt. Ein dritter Schwerpunkt ist der für Xanten von der Kölner Kirche geprägte Begriff des „Heiligen Troja". Abschließend wird die Frage gestellt, welchen Anteil gelehrte Spekulation an der Xantener Troja-Überlieferung hat.

Prof. Dr. Heinz Finger war von 2001 bis 2015 Direktor der erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek in Köln. Seit 1995 ist er zudem als Honorarprofessur an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig.

Kontakt Dr. Matthias Schrör, 02831-2690