Vorträge

Vorträge  

Vortragsreihe des Historischen Vereins in Zusammenarbeit mit dem Kreisarchiv  

Die ersten drei Vorträge finden wie gewohnt in der Tonhalle der Kreismusikschule in Geldern statt. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt wie immer frei.

3. September 2018

Bernhard Keuck, „Henker, Ketzer, Hexenjäger“

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Deutschland vom Hexenwahn überrollt. Etwa 25000 Frauen, Männer und Kinder wurden der Hexerei verdächtigt, gefoltert und verurteilt. In den Händen der Scharfrichter ließen sie ihr Leben.

1595 kam es auch in der Stadt Geldern und der Vogtei zu einer Prozesswelle, in deren Verlauf elf Frauen hingerichtet wurden. 1613/14 erfasste der Wahn Roermond, Wassenberg und Straelen. Mehr als 60 Frauen und Männer fanden den Tod, davon über 20 in Straelen. 1618 ist in Straelen sogar von einem Werwolf die Rede.

Der Referent versucht, trotz äußerst schwieriger Quellenlage zu rekonstruieren, was lokal geschah. Auch stellt er Fragen über Gründe und Hintergründe, die den Wahn erklären könnten.

Ab 1630 klangen die Verfolgungen ab. Einen großen Anteil daran hatte der vom Niederrhein gebürtige Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld mit seinem Werk "cautio criminalis". Es wurde 1631 erstmals veröffentlicht, dem Jahr, in dem seine Schwägerin noch wegen Hexerei den Tod auf dem Scheiterhaufen erlitt.

15. Oktober

Professor Doktor Helmut C. Jacobs, Universität Duisburg-Essen

„Goyas geheimnisvolle Caprichos – ein Meisterwerk der spanischen Kunst endlich entschlüsselt“

Professor Jacobs führt in Leben und Werk von Goya ein und berichtet anschaulich und spannend von seinen diesbezüglichen Forschungen, deren Ergebnisse gerade in einer umfangreichen Edition der handschriftlichen Kommentare zu den Caprichos erschienen sind. Hieraus ergeben sich spektakuläre Entdeckungen der geheimen Botschaften der Caprichos, die anhand von ausgewählten Beispielen entschlüsselt werden sollen.

Professor Jacobs begleitet seinen Vortrag musikalisch auf dem Konzertakkordeon mit Fandangos und Boleros aus der Epoche Goyas und einem zeitgenössischen Werk zu dem berühmten Capricho 43 (Der Schlaf/Traum der Vernunft erzeugt Ungeheuer), das der junge baskische Komponist Gorka Hermosa eigens für ihn komponiert hat.

12. November 2018

Doktor Ludger Heid zum Thema: „Der Novemberpogrom 1938 („Reichskristallnacht“) und sein Platz in der Geschichte“. 

Die „Reichskristallnacht“, so die zynisch-poetische Zuschreibung für den großangelegten, monströsen Pogrom vom 9./10. November 1938, markiert innerhalb der blutigen Dynamik der NS-Gewaltherrschaft so etwas wie einen Wendepunkt, in dem sich buchstäblich die Weichenstellung für die Vernichtung des europäischen Judentums anzeigte. Spätestens am Morgen des 10. November 1938 hatte das Deutsche Reich endgültig aufgehört, ein Rechtsstaat zu sein. Die polizeiliche Ordnung stand Kopf, als verbrecherischer Mob auf offener Straße ungehindert brandschatzte und mordete. Der Vortrag erinnert an den 80. Jahrestag der Novemberereignisse.

 

Kurz-Vita 

Priv.-Doz. Dr. L. Joseph Heid, Historiker, Literaturwissenschaftler, Publizist, Venia legendi für Neuere Geschichte. Zahlreiche Publikation zur deutsch-jüdischen Beziehungs- u. Literaturgeschichte, Sozialgeschichte (Arbeiterbewegung) und zum Ostjudentum, u.a.: Deutsch-Jüdische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert (1992); Maloche – nicht Mildtätigkeit. Ostjüdische Arbeiter in Deutschland 1914-1923 (1995); Der ewige Judenhass (2000); Ostjuden im Ruhrgebiet (2011);  schreibt u. a. für : Süddeutsche Zeitung; Die Zeit; Die Welt; Jüdische Allgemeine. Mitherausgeber der Judacia-Reihe des Campus-Verlages Frankfurt.

17. September 19.30 Uhr, Forum I des Friedrich-Spee-Gymnasiums Geldern, Friedrich-Spee-Str. 25

Dr. Christian Krumm: „Traumschrott and beyond, Lesung und Slams

Als vierte Veranstaltung wird es einen Science Slam mit anschließender Lesung geben. Der Historiker und Autor Doktor Christian Krumm hat sich hierzu bereit erklärt.

Geboren 1977 in Krefeld begann Krumm im Alter von 19 Jahren in der geschlossenen Psychiatrie zu arbeiten. Die Erfahrungen mit der Wahrnehmung und den Vorstellungen psychisch kranker Patienten erweckten in ihm den Wunsch, Geschichten zu schreiben. Zunächst wurde er jedoch im journalistischen Bereich tätig, schrieb für die Westdeutsche Zeitung Konzertberichte und produzierte einige Radio-sendungen für den lokalen Bürgerfunk. Dabei konzentrierte er sich auf alternative Musikrichtungen, insbesondere Heavy Metal, und war selbst in den Bands „Whikings“ und „Way Of Joy“ aktiv.

Verschiedene Vorstellungswelten in Einklang zu bringen, wurde mit der Aufnahme des Studiums 1999 in Geschichte, Politik und Niederländisch das Ziel seiner Arbeit. Nationalsozialistische Propaganda und die Fremdwahrnehmung von Ereignissen in Deutschland bis 1945, im Speziellen von niederländischer Seite aus, waren die Themen seiner Magisterarbeit und seiner Dissertation, die er 2009 abschloss. 2010 wurde er mit dem „Dante-Preis der Stadt Krefeld“ von der Deutschen Dante Gesellschaft ausgezeichnet. Das Thema seiner Doktorarbeit ist heute noch die Basis für zahlreiche seiner Vorträge im Rahmen des Science Slam.

Schon nach dem Magisterexamen 2004 begann Krumm neben seiner Dissertation die ersten Geschichten und Romanmanuskripte zu verfassen. Dies wurde unterbrochen, als er auf Initiative von Holger Schmenk mit ihm zusammen das Buch „Kumpels in Kutten. Heavy Metal im Ruhrgebiet“ schrieb, das mit seiner Veröffentlichung 2010 eine breite Leserschaft in der Szene fand. Die schon zu Zeiten als Journalist und aktiver Musiker aufgeworfene Frage, wie eine Band erfolgreich werden kann, zieht sich als roter Faden ebenso durch die darauf folgenden Sachbücher „Century Media – Do It Yourself. Die Geschichte eines Labels“ (2012) und „Morgoth – Uncursed. The Morgoth-Chronicles“ (2015). "Besonders 'Do It Yourself" ist von dieser Frage beseelt. Ich habe es auch als Ratgeber für die vielen Bands geschrieben, die mit Leidenschaft an sich und ihrer Musik arbeiten", so Krumm.

Unterschiedliche Meinungen und Wahrnehmungen lassen sich unmöglich zu einer einzigen Wahrheit verdichten. Diese Einsicht aus den Erfahrungen seiner Sachbücher ließ er in das sein Romandebüt „At Dawn They Sleep“ (2014) einfließen, dessen Handlung sich in der Metalszene rund um einen Journalisten und eine Band abspielt. „Es ist die erste konsequente Verarbeitung meiner Überzeugung,dass die Wirklichkeit nur ein permanenter Wettstreit von Vorstellungswelten ist. Welche Vorstellungen sich wann durchsetzen, ist keine Frage der Richtigkeit, sondern der Durchsetzungsfähigkeit“, sagt Krumm hierzu. Mit der Vollendung der „Metal-Tetralogie“ aus drei Sachbüchern und einem Roman ist seine Beschäftigung mit der Metal-Szene als Autor beendet. Noch 2013 schrieb er auf Bestreben der Krefelder Theaterregisseurin Yvonne Keßel zehn kurze Geschichten in sieben Wochen, die 2016 unter dem Titel „Traumschrott“ im Verlag Edition Roter Drache erscheinen werden.

Die Psychiatrieerfahrung bleibt eine Konstante in Krumms Schreibprozessen, wie „At Dawn They Sleep“ und die Traumschrott-Episode „Der Ausflug“ zeigen. Darüber hinaus zeichnen sich seine Geschichten stets durch überraschende Wendungen aus. Krumm hierzu: „Die meisten Dinge laufen ganz anders, als man es sich vorstellt, und oft erfährt man gar nicht, wie sie eigentlich gelaufen sind.

Das ist mit der Historie so, die nur das repräsentiert, was wir den Quellen entnehmen können, und noch viel mehr betrifft das unsere eigene Wirklichkeit. Wir können die Gesamtheit der Einflüsse, die unser Leben bestimmen, nicht erkennen, so wie kein Sturmopfer jeden Schmetterling sehen wird, dessen Flügelschlag der Auslöser war. Um dieses Phänomen dreht sich alles, was ich schreibe.“

Der Abend findet in Kooperation mit der Fachschaft Geschichte und Deutsch des Friedrich Spee Gymnasiums statt und zwar im Forum der Schule. Lassen sie sich am 17. September überraschen und fühlen sie sich ausdrücklich eingeladen und willkommen. Der Eintritt ist frei.

Kontakt Stefan van Wickern, Tel. 02832-9740082