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Blaufärberei, Lohn- und Stückfärberei
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Druckmodeln,
Abt. Blaudruck in der Ausstellung
Briefkopf der Familie Lawaczeck,
1921

Lawaczeck -

Blaufärberei, Lohn- und Stückfärberei

Über einen Zeitraum von fast 200 Jahren befand sich die Färberei in der Hand der Familie Lawaczeck. Auf den Firmengründer Hermann Lawaczeck folgten sein Sohn Philipp und sein Enkel Franz Lawaczeck. Urenkel Franz Lawaczeck jun. war der letzte männliche Firmeninhaber, der im Jahre 1918 an einer weltweit grassierenden Pandemie im Alter von 37 Jahren verstarb. Seine Witwe Caroline, geb. van Embden, führte den Betrieb durch schwierige Zeiten. Ihre Tochter Huberta Becker-Lawaczeck übergab im Jahre 1983 die Färberei an ehemalige Mitarbeiter, die diese bis heute in eigener Regie weiterführen.

Damit endet die Geschichte der Färberfamilie Lawaczeck in Nieukerk, die im 17. Jahrhundert aus Schwaben - damals noch als Familie Häuptle - ins böhmische Leitmeritz aufgebrochen war. Von dort zogen Familienmitglieder ein Jahrhundert später, nunmehr als Lawaczecks (tschech. lava = Kopf, Haupt; czeck = Verkleinerungsform), ins Rheinland, und zwar zunächst auf das rechte Rheinufer bei Oberhausen. Im Jahre 1805, zur Zeit der napoleonischen Kontinentalsperre, wechselte die Familie auf die linke Rheinseite hinüber. Drei Brüder waren es, die in Kevelaer, Wachtendonk und Nieukerk unabhängig voneinander Färbereien gründeten.

Die Nieukerker Färberei Lawaczeck kann dabei auf die längste Geschichte zurückblicken. Aus ihrer Frühzeit liegen nur wenige Nachrichten vor, die vermuten lassen, dass die vor Ort vorhandene Heimweberei den Ausschlag für die Wahl des Standortes gegeben hat. Sicher wurde zunächst auch das Handwerk des Blaudrucks ausgeübt; davon zeugen noch Modeln (Druckstöcke), die im Kontor des Hauses gezeigt werden. Haupteinnahmequelle waren jedoch die für den Alltag blau zu färbenden Textilien der ländlichen Kundschaft: Bett- und Tischwäsche, Kittel und andere Kleidungsstücke, die von Firmenvertretern bei den Kunden abgeholt und nach dem Färben wieder zurückgebracht wurden.

Waid als einheimische Blaufärbepflanze war, nach einer kurzen Wiederbelebungsphase unter Napoleon, im 19. Jahrhunert gänzlich verschwunden und durch das leichter zu gewinnende, importierte Indigo verdrängt worden. Um 1900 wurden von der chemischen Industrie neue Farbstoffe entwickelt, die eine höhere Haltbarkeit versprachen. Das Indanthren als licht- und farbechte Substanz trat seinen Siegeszug an, und auch in Nieukerk wurde um 1912 das Blaufärbeverfahren darauf umgestellt. Seitdem wurden auch andere Farben angeboten. Webereien in Westfalen, Süddeutschland und in der Gegend von Aachen gehörten zu den Geschäftspartnern der "Stückfärberei Franz Lawaczeck", die mit zeitweise 50 Mitarbeitern als örtlicher Arbeitgeber ins Gewicht fiel und es schaffte, auch die schwierigen Zeiten des 20. Jahrhunderts zu überstehen.