Auf der Spur der Juden in Geldern

Herzlich Willkommen!

Begleiten Sie uns auf unserem Stadtrundgang durch Geldern auf den historischen Spuren jüdischer Einwohner im 19. und 20. Jahrhundert.  

Virtueller Rundgang

Wir beginnen unsere Suche am Nordwall, an dem Ort, wo 1938 die Synagoge, an die noch heute ein Gedenkstein Nordwall Ecke Webergasse erinnert, zerstört wurde.1*

Dort ergibt sich auch die Möglichkeit das Auto abzustellen (z.B. gegenüber vom Amtsgericht oder an der Volksbank).*

1. Die Synagoge

 

Am 27.,28. und 29. August 1875 wurde die Synagoge eingeweiht. Doch schon in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckte man diese in Brand. Es war eine als Aufruf  konzipierte Aktion, die von  vielen Nazis geradezu herbeigesehnt wurde. Nach Mitternacht verschafften sich fünf zivilgekleidete SA-Leute Zugang zur Synagoge am Nordwall und setzten sie mit Stroh, Brennholz und Teer in Brand. Die hinzugezogene Feuerwehr durfte diesen gefährlichen Brand aber nicht löschen. Sie durften nur die Nachbarshäuser schützen, falls dort ein Brand entstehen würde. Der Synagogenvorsteher  Adolph Passmann las am nächsten Morgen eine Handvoll liturgischer jüdischer Bücher aus dem rauchenden Schuttberg auf. Nun musste er wahrscheinlich den Steinhaufen nebst Grundstück nach der am 3.Dezember 1938 Rechtskraft erhaltenden „Verordnung über den Einsatz des Jüdischen Vermögens“ einem Erwerbswilligen übergeben. Als neuer Eigentümer entpuppte sich die Firma Krüger, die 1937 in Geldern eine Vulkanfiberproduktionsstätte eröffnet hat. Das noch heute im Besitz der Firma Krüger befindliche freie Grundstück der Synagoge wurde wegen der Bedeutung für die Ortsgeschichte 1993 vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege Bonn bei der Unteren Denkmalbehörde Geldern in die Liste der zu schützenden Bodendenkmäler eingetragen. Zur Zeit erinnert  lediglich ein Gedenkstein der Stadt Geldern schräg gegenüber des Firmengeländes an die Synagoge. Es bleibt zu hoffen, dass nicht nur ein Hinweisschild angebracht wird, sondern vielleicht auch eine archäologisch fachliche Ausgrabung vorgenommen werden kann, die auf ungeklärte Fragen Antwort gibt, z.B. ob sich eine Mikwe (rituelles Bad) bei der Synagoge befunden hat, wie nicht zu Unrecht vermutet wird. Wahrscheinlich ist sie noch im Boden erhalten. 

Von hier aus gehen wir immer weiter den Nordwall entlang, wo sich noch zwei Haltepunkte befinden. 2,3*

  2. Jakob Kaufmann

wurde am 13. April 1810 in Geldern geboren und war Handlungsreisender/Kommissionär. Er wohnte im Haus 60, heute Nordwall 8. Seine Frau Helena Cohen wurde 1809 geboren. Sie hatten 3 Töchter und 6 Söhne. 1852 zogen sie nach Hamm.

Nordwall 8

3. Samuel Janssen

war Handelsmann und wohnte am Nordwall 18. Am 8. November 1809 wurde er in Geldern geboren und ist  in Gravenberg gestorben. Er war mit Henriette Kramer verheiratet. Am 22. Mai 1820 wurde Henriette Kramer in Uedem geboren und ist am 22. September 1899 in Geldern gestorben. Sie heiratete Samuel Janssen am 30. April 1850 in Geldern. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor:

Eva , Julia , Karoline , Leonhard , Sibilla und Julie.

Wir überqueren  am Harttor an der Ampel die Straße, lassen den Quelle-Shop links liegen und sind nun auf dem Westwall. Wir folgen dem Straßenverlauf bis zum Haus 4,5, auf der linken Seite.*

4. 5. Louis Jacoby

wurde um 1876 geboren und war ab 1895 Lehrer in Geldern. Er wohnte am Westwall 20 und zog später nach Köln um. Im Februar 1898 verlobte er sich mit Bella Cohn. Ihr Sohn Friedrich wurde am 20. Januar 1900 geboren.  

 

Nun gehen wir ein paar Meter zurück, biegen Am Treppchen rechts ein, bis wir auf die Hartstraße gelangen. Auf der Hartstraße gehen wir weiter rechts in Richtung Markt bis zum Haus 6*.

6. Philipp Kaufmann

bis 1808: Levi Philipps; Krämer, Metzger  und Wirt, haus 460 (Hartstraße 16) , geboren 25. Dezember 1778 in Rheinbach, gestorben 12. November  1839 in Geldern .

6. Alfred Kaufmann

(genannt Fritz) ,Kaufmann, Hartstraße 2, geboren 14. Januar 1883 in Geldern, gestorben 18. September 1943 in Auschwitz  (Heirat im August 1920; ca. 1936 Umzug nach Essen, danach Emigration an die Niederlande)

6.Eduard Isaacson

wurde am 17. August 1875 in Dinslaken geboren und starb am 22. Juni 1934 durch einen Bombenangriff in Krefeld. Er war Kaufmann und wohnte auf der Hartstr.2/Gelderstr.12, wo heute das Modegeschäft „Adam und Eva“ ist. Seine Frau, Maria Linke (katholisch), wurde am 21. Mai 1888 in Halbach geboren und starb wie ihr Mann am 22. Juni 1943. Sie hatten zwei Töchter (Edith und Ruth) und einen Sohn (Werner). 1934 zog die Familie nach Krefeld.

 

 

Weiter geht es, indem wir bei der Konditorei Baumanns rechts herum abbiegen, die Maria- Magdalena Kirche hinter uns lassen und die Karmeliterstraße entlang laufen. Hier ist Haltepunkt Karmeliterstraße 7*.

7. Isaak Passmann

wurde am 7. September 1830 in Xanten geboren und lebte später in der Karmeliterstrasse 21 in Geldern. Er erlernte den Beruf Handelsmann. Isaak starb im Alter von 78 Jahren am 10. Januar 1909 in Geldern.

Anschließend biegen wir links ab, wir befinden uns jetzt wieder auf dem Westwall und folgen dem Verlauf der Straße bis zur Ampel. Links bietet jetzt ein Sonnenstudio seine Dienste an, rechts ist die Lagerhalle von Coca Cola, womit wir zwei weitere Haltepunkte erreicht haben. 8,9*

8. Georg Gerson

wurde am 17.Februar 1886  in Aldekerk geboren und war Viehhändler auf der Bahnhofstrasse 36.. Er versuchte in die Dominikanische Republik zu emigrieren, doch vergeblich. Anfang 1939 zog nach Essen um und wurde später von dort deportiert. Genaue Angaben zu seinem Tod gibt es nicht, da er im KZ  Izbica verschollen ist. 

 

9. David Nordheim

wurde am 18.August 1825 in Werl geboren und wohnte später am Westwall 6 in Geldern, wo er das Handwerk Schuhfabrikat ausübte. Seine Schwester Regina Nordheim wurde am 21.August 1830 in Werl geboren und zog ebenfalls nach Geldern, wo sie fünf Kinder zur Welt brachte. Sie starb im Alter von 36 Jahren in Geldern. Vier ihrer Kinder lebten weiterhin Geldern. Bis auf Moritz Nordheim, dieser zog nach Zürich.

Wir begeben uns nun Richtung Markt. Dort finden wir den Haltepunkt: Fahrrad Kleinbielen.10*

10. Selma Kleinbielen, geb. Katz

Geb. 9. Februar 1902 in Hainchen

Gest. 15.  November 1983 in Geldern

Heiratete Willi Kleinbielen.

Selma hatte eine Schwester namens Metha Katz.

Selma hatte 2 Töchter, Ruth ( 13August 1924 in Viersen) und Lore (20August 1927 in Krefeld)

Selma überlebte die Zeit der NS-Diktatur in einem Versteck in Geldern.

Ist jetzt auf dem jüdischen Friedhof in Geldern begraben.

      

Auch auf der Gelderstraße gibt es einige Häuser, in denen vormals Juden wohnten, in den Häusern Nummer 11, 12, 13*.

11. Hertz Jesse

war Handelsmann auf der Gelderstr. 45. Er wurde am 12. April 1822 in Hoerstgen geboren und starb am 16. März 1902 in Geldern.

12. Joseph Francken 

nannte sich bis 1808 Abraham Nathan. Er wurde am 15. März 1769 in Neuenhoven geboren und lebte auch 31 Jahre dort. Im Jahre 1800 ist er nach Geldern umgezogen, wo er den Beruf als Metzger ausübte. Er wohnte im Haus 297 (Gelderstraße 43) und starb dort am 24. Juli 1855.

13. Moses Kaufmann

wurde am 7. September 1814 in Hoerstgen geboren und ist am 1. Oktober 1860 in Geldern gestorben. Er war Metzger und Viehhändler und zählte zu den besten jüdischen Steuerzahlern der Gemeinde. Er zog 1845 mit seiner Frau nach Geldern um und wohnte dort im Haus 306 (Gelderstraße im Kinobereich). Verheiratet war er mit Magdalena Bromet, die am 18. Juli 1819 in Süchteln geboren wurde. Die beiden heirateten am 17. April 1845 in Süchteln. Aus der Ehe gingen die acht Kinder: Isidor, Gottfried, Alexius, Hoek, Bertha, Julia, Josef und Eva hervor.

Nun  gehen wir den Weg wieder zurück, halten bei Karstadt, Porst, Takko und Adam & Eve 14, 15, 16.*

14.Albert David

Er wohnte „Großer Markt 13“,der heutige „Markt 10“ (Karstadt). Er war Kaufmann. Albert wurde am 9. August 1876 in Hoerstgen geboren und starb am 10. April 1938 in Köln-Lindenthal. 1935 zog er von seinem Geburtsort aus geschäftlichen Gründen nach Köln.

 

  Das ist der „Große Markt 13“, der heutige „Markt 10“ (Karstadt)

14. Selig Sternefeld

Er war ein Viehhändler und wohnte „Großer Markt 13“ , heutig „Markt 10“, im Haus 326. In Goch wurde er am 25.Oktober 1814 geboren und am 6. Februar 1885 ist er in Geldern gestorben. Seine Frau Rosine Jacobsohn wurde um 1826 geboren und starb am 26.September 1883 in Kleve. Die Kinder des Ehepaares ,Josefine geboren am 17.Septemer 1851 in Goch, Isidor geboren am 10.September 1852 in Goch und Adolph geboren am 28. November 1855 in Goch. Adolph jedoch wurde Bankier und starb am 21. März 1930 in Geldern.

 

 

 15. Heinrich Kempenich

wurde am 27.August 1866 in Geldern geboren und lebte seither auf dem Markt 6, wo das Geschäft S. Kempenich von seinem Vater Selig Kempenich geführt wurde. Er besuchte eine kleine jüdische Volksschule. Da es in Geldern keine höhere Schule gab, musste die Mutter Ostern 1877 den Zehneinhalbjährigen nach auswärts geben.

Er fand Aufnahme im Elternhaus der Mutter in Rheda und besuchte dort die Rektoratschule. 1886 studierte er an der Kgl. Württembergischen Universität Tübingen Medizin. Gleichzeitig  erfüllte er in Tübingen die erste Hälfte seiner Heeresdienstpflicht, und zwar im 3. Bataillon des 7. Württembergischen Infanterieregiments Nr. 125.

Er diente ein Jahr lang  als Arzt im Heer. Außerdem studierte er 6 Semester lang Jura in Berlin.

Heinrich Kempenich war unverheiratet und hatte fünf Geschwister.

Im Jahre 1927 begann er seine Erinnerungen niederzuschreiben. Er starb im Alter von 65 Jahren  nach einer langen, schweren Krankheit am 5. März 1932 in Dortmund. Seine Asche wurde auf dem jüdischen Friedhof Geldern bei seinen Eltern beigesetzt.

Heinrich Kempenich 1886 als württembergischer Infanterist

 

  Kempenichs Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Geldern


Dieses Bild zeigt das Geschäft S. Kempenich am Anfang des 19.Jahrhunderts. Es lag auf dem Kleinen Markt. Durch diese gute Lage hatte das Geschäft viele Stammkäufe, die dort Manufakturen, Modewaren, Buckskins, Herrenkleider, Umhänge, Jacketts, Barchents, Bettfedern und fertige Betten kaufen konnten.

16. Bernhard Mendel 

wurde am 4. Januar 1861 in Linnich geboren und lebte bis 1897 in der Issumer Strasse 4 in Geldern. Danach wohnte er am Nordwall 41 bzw. 43, wo er den Beruf Kaufmann erlernte. Er starb unverheiratet im Alter von 62 Jahren am 25. November 1933 in Geldern.

   

Wieder am Marktbrunnen  biegen wir in die Issumer Straße rechts ab. Hier befinden sich ebenfalls mehrere Haltepunkte, bei Nummer 17- 22.*

17. Simon Wiesenfelder

war Kaufmann und Inhaber des ‚‚Riesen-Bazars’’ auf der Issumerstraße in Geldern.

 

18. Salomon Katz

wurde am 16. Dezember 1872 in Hainchen geboren. Er war  Kaufmann und wohnte zuerst auf Issumer Straße 23 (heute Fielmann). Dann zog er zum Nordwall 6. 1938 emigrierte er nach Rotterdam in die Niederlande. 1943 wurde er von Westerbork in das KZ Theresienstadt deportiert. Salomon Katz überlebte dennoch den Krieg und starb am 11. November 1958 in Geldern. Verheiratet war er mit Bertha Wiesenfelder, geb. 13. Mai 1871 in Eiterfeld. Die Frau verstarb am 5. Januar 1930 in Geldern. Aus ihrer Ehe gingen vier Kinder hervor.

                                                       

                                                         

19. Carl Cain

wurde am 14. Juni 1821 in Geldern geboren. Er war Handelsmann und lebte in der Issumerstr. 53. Er ist am 29. April 1883 in Geldern gestorben.

Clara Dreyfus,

seine Frau, wurde 1836 in Unna geboren und starb am 16. März 1922 in Geldern. Die beiden hatten 16 Kinder, von denen traurigerweise sechs im ersten Lebensjahr starben. David, ihr ältester Sohn, wurde 1859 in Geldern geboren. Er war Schuhfabrikant und lebte auf verschiedenen Straßen im Stadtkern von Geldern. Er starb 1939 in Geldern.

Henriette, das achte der 16 Kinder wurde 1867 in Geldern geboren und heiratete den Kaufmann Samuel Hirsch aus Remscheid.

 

 Henriette mit ihrem Mann

Rosa(lie), die jüngste Tochter, wurde 1874 in Geldern geboren. Sie wurde ins KZ Theresienstadt deportiert und starb dort 1943.

 

Rosa Cain im Jahre 1937

20. Willy Heymann,

der am 4. Februar 1857 in Geldern geboren wurde, lebte in der Issumer Straße 76 und später am Nordwall 49. Er war Pferdehändler und starb am 15. Januar 1939 in Geldern. Sein Vater Levi Heymann (1825-1892) war ebenfalls Pferdehändler und lebte am Nordwall im Bereich der Synagoge.

Rosalie Schönthal wurde am 2. September 1861 in Sielen geboren. Sie emigrierte nach Amerika, kehrte aber wegen der Verlobung mit Willy Heymann zurück. Sie heirateten am 8. Dezember 1884 in Geldern. Rosalie starb am 7. August 1937.Die beiden hatten sechs Kinder.

Helene, ihr drittes Kind, wurde 1890 in Geldern geboren. Sie heiratete Julius Mosbach aus Isarlohn. Sie wurde deportiert und starb im KZ Maidanek.

Hilde, das jüngste Kind der Familie, das 1898 in Geldern geboren wurde, wurde ebenfalls deportiert und starb unverheiratet im KZ Maidanek.

 

21. Emil Francken

wurde am 13. März 1877 in Geldern geboren und war Kaufmann auf der Issumer Strasse 1. Er war verheirate und hatte zwei Kinder, die Walter und Elsbeth hießen. Emil Francken verkaufte sein Geschäft 1936, da sich die Lage gegen die Juden zuspitzte. Er floh mit seiner Frau nach Köln, wo er am 22. Juni 1942 bei der Deportation erschossen worden ist.  

22. Gustav Hertz

wurde am 26. April 1861 in Issum geboren. Dort erlernte er den Beruf als Viehhändler und zog später auf die Issumer Straße 64 bzw. Nordwall in Geldern.

In seiner ersten Ehe war er mit Cäcilie (Ziwie) Nadel verheiratet, die am 21. Oktober 1864 geboren wurde und  am 3.Oktober 1912 in Berlin gestorben ist. In dieser Ehe wurden acht Kinder geboren: zwei Mädchen und sechs Jungen.

Als die Ehefrau früh gestorben war, heiratete Gustav Hertz zum zweiten Mal. Er heiratet Maria Pfingst (geboren: 6. Dezember; gestorben: 25. Juli 1942), mit der er keine Kinder bekam.

 

Wir sind nun fast am Ende unseres Rundganges angekommen und wollen noch dem jüdischen Friedhof in Geldern einen Besuch abstatten.  Dazu überqueren wir am Ende der Issumer Straße die Kreuzung, gehen von dem Spielwarenladen Laumanns links Richtung Eisen Schmitz, um dann vorher rechts in den Florianweg abzubiegen. Nach ca. 50 m macht der Weg einen Linksknick, dem wir bis zu einer Gabelung folgen und dann rechts abbiegen. Jetzt stoßen wir auf die Egmondstraße, die wir überqueren, um dann leicht links in die Herzogstraße zu gelangen. Diese Straße gehen  wir entlang, bis wir auf den Boeckelter Weg kommen, dem wir dann links folgen, bis wir auf der rechten Seite am Zielpunkt, dem geschlossenen jüdischen Friedhof ankommen.23* (Der Schlüssel ist beim Friedhofsamt hinterlegt).

23. Der jüdische Friedhof in Geldern

1845 wurde ein Grundstück am Boeckelter Weg gekauft. Auf ihm sollten ein paar Jahre später die ersten Juden begraben werden.

Zu dieser Zeit mussten die jüdischen Einwohner in Geldern  noch auf dem jüdischen Friedhof  in Issum beerdigt werden. Die letzte Bürgerin aus Geldern wurde 1854 in Issum beerdigt.

Der Bürgermeister Graf Schmising-Kerssenbrock schrieb dazu folgendes:

„Der Umstand, dass durch Anlegung dieses neuen Begräbnisplatzes hierselbst die Ansiedlung von jüdischen Einwohnern noch vermehrt werde, welches freilich für die Gemeinde ein großer Nachteil ist, wird leider bei der Beurteilung dieser Frage nicht berücksichtigt werden können.“  (Zitat aus: Illustrierte Geschichte der Stadt Geldern 1848-1969 von Heinz Bosch, Seite 168)

Der Friedhof wurde aber trotzdem genehmigt.

Bei Ihrem Besuch des Friedhofs werden Sie vereinzelt Steine auf den Grabsteinen finden, sowie eine Schale mit vielen kleinen Steinen am Eingang. Dies ist ein alter jüdischer Brauch, der in den letzten Jahren durch einige Spielfilme (z.B. Schindlers Liste)  wieder aufgelebt ist und auch von Christen aufgenommen wird. Ein Ursprung dieses Brauches ist die Grabstätte alle Zeit vor wilden Tieren zu schützen.

 

1983 wurde die letzte jüdische Bürgerin Gelderns, Frau Selma Kleinbielen, auf dem jüdischen Friedhof  beerdigt.

 

 

Am 9. Juli 2002 entstand dieses Foto auf dem jüdischen Friedhof in Geldern.

Auf einem jüdischen Friedhof  findet man keinen Blumenschmuck, weil Blumen vergänglich sind. Die Grabsteine und Gräber bestehen für die Ewigkeit.

 


Diese Arbeit entstand im Rahmen der Schulprojektwoche am LMG im Juli 2002.

Grundlage unserer Nachforschungen waren folgende Bücher:

1)      „Juden in der Geschichte des Gelderlandes“, Hrsg. Bernhard Keuck und Gerd Halmanns im Auftrag des Arbeitskreises Jüdisches Bethaus Issum und des Historischen Vereins für Geldern und Umgebung, Geldern 2002.

2)      „Juden in Geldern“, Hrsg. Gregor Hövelmann, Geldern 1982.

3)      Heinz Bosch, Illustrierte Geschichte der Stadt Geldern 1848- 1969 Bd.1, Geldern 1994.

4)      Heinz Bosch, Illustrierte Geschichte der Stadt Geldern 1848- 1969 Bd.2, Geldern 1998.

  Wir bitten um Nachsicht in Bezug auf Vollständigkeit der Informationen, da Quellenlage und die Zerstörung Gelderns im 2. Weltkrieg eine eindeutige Zuordnung von Häusern  nicht immer ermöglichten.