Pressespiegel


 

 

Als an Gelderns Ostwall Nonnen lebten

 

Ein  neues Buch über das Kloster Nazareth spannt den zeitlichen Bogen von der Bronzezeit bis 

heute. Es ist mit vielen Abbildungen aus dem Bestand des Stadtarchivs Geldern bestückt

 

Die Trümmerlandschaft des früheren Klosters Nazareth und dder ehemaligen Spritfabrik van der Moolen am Ostwall im Jahr 1950. Im Bild sind die Reste der Klostermauern zu sehen. 

GELDERN Vor mehr als 600 Jahren, am 29. März 1418, wurde das Klos­ter Nazareth in Geldern gegründet. 

Die Mitglieder des archäolo­gischen Arbeitskreises (AAK) im Historischen Verein für Geldern und Umgegend 

waren schon lan­ge von diesem bedeutenden Frau­enkloster fasziniert. Jetzt ist aus dieser Faszination ein Buch geworden. Und das deckt eine wesentlich breitere Zeitspanne ab als 600 Jahre.

 

Zum Jubiläumsjahr 2018 präsentierten die Mitglieder des AAK eine Ausstellung zur Baugeschichte des 

ehemaligen Klostergeländes im Straßendreieck Ostwall, Sandsteg und Kapuzinerstraße. Die Ausstellung wurde 

in der neuen Geschäftsstelle des Historischen Vereins an der Hartstraße gut besucht. Besucher regten an, die Ergebnisse der Ausstellung schriftlich zusammenzufassen.

 

Da traf es sich gut, wie Stadtarchivarin Yvonne Bergerfurth bei der Buchvorstellung berichtete, dass sie etwa 

zur gleichen Zeit die von 1994 bis Anfang der 2000er Jahre erschienene Buchreihe „Kleines Geldrisches Archiv" wieder aufleben lassen wollte. Dieses Vorhaben wurde vom AAK, dem Gelderner Stadtarchiv und dem Verein „Mespilvs" gemeinsam angepackt. Die Stadtarchivarin schrieb Heimatvereine wegen Material an. Fragen, die 

sich bei der Ausstellung ergaben, erforderten zusätzliche aufwendige Recherchen, sagte Klaus Oerschkes, der 

mit einem Autoren- und Redaktionsteam, den „Mespilvs" -Vorstandsmitgliedern Nina Schulze und Pascal Verhoeven sowie der Stadtarchivarin tätig wurde. Das Team überarbeitete die Ausstellungstexte und ergänzte 

die ohnehin schon zahlreichen Abbildungen um viele weitere aus dem Stadtarchiv Geldern und dem 

Kreisarchiv Kleve. Es sind Fotos, Zeichnungen, Karten und Skizzen.

 

Die Texte wurden durch weitere archäologische Grabungsberichte sowie Archivunterlagen ergänzt. Die ursprüngliche Gliederung in drei Kapitel — Kloster Nazareth von der Gründung bis zur Auflösung 1802, archäologische Grabungser­gebnisse und die Stadtentwicklung im Quartier Kapuzinertor bis in die Gegenwart — wurde auf zehn Kapitel erweitert.

 

Und damit auch der Ausflug in die Vergangenheit. Die Leser bekommen auf 93 Seiten einen anschaulichen 

Einblick in die Geschichte dieses Quartiers. Gezeigt wird die kontinuierliche Nutzung des Areals von der späten Bronzezeit (etwa 1000 v. Chr.) bis heute.

 

Die Klostergründung von 1418 steht laut Stadtarchivarin Yvonne Bergerfurth für ein aufstrebendes Bürgertum. Denn während das Karmeliterkloster auf eine Stiftung des Grafen zurückging, wurde das Kloster Nazareth von Gelderner Bürgern gestiftet. Es war ein Ort des geistlichen und kulturellen Lebens, aber es war auch ein Wirtschaftsstandort, so die Stadtarchivarin.  Die Nonnen, es waren Augustinerinnen, kopierten unter anderem Bücher als Auftragsarbeit und erzielten damit Einkünfte. Eine weitere Geldquelle waren die Ländereien, an die 

das Kloster durch Mitgiften und Schenkungen gekommen war.

 

Während der Preußenherrschaft im 18, Jahrhundert blieb die kulturelle Verbindung mit Flandern erhalten. Das 

Ende des Klosters kam 1802 mit der Säkularisierung durch die Franzosen. Die Güter wurden zum Verkauf angeboten, die Nonnen vor die Tür gesetzt. Auf einer Seite im Buch ist aufgelistet, wer die neuen Pächter der 

Äcker wurden.

Das Buch ist in einer Auflage von 350 Exemplaren erschienen. Sollte Bedarf sein, ist ein Nachdruck aber 

jederzeit möglich.

 

(Quelle: RP vom 1. 7. 2021, Text VON MICHAEL KLATT)

 

 

 

 

 

 

 

Nachruf auf Heinz Bosch aus Geldern:

 

Mensch gewordene Stadtgeschichte

 

Heinz Bosch kurz vor seinem 90. Geburtstag im August 2019. Foto: Evers, Gottfried (eve)

 

Geldern Mit 91 Jahren ist Heinz Bosch, der Ehrenvorsitzende des Historischen Vereins für Geldern 

und Umgegend, gestorben. Mit ihm verliert nicht nur der Verein, sondern auch die Stadt eine 

bedeutende Persönlichkeit.

 

Von Michael Klatt

 

Wann immer der Verfasser dieser Zeilen Heinz Bosch, einen seiner ehemaligen Lehrer, durch 

Geldern radeln sah, dachte er: „In diesem hohen Alter so fit zu sein, das wäre schön.“ Tief 

betroffen wie viele Menschen – nicht nur in Geldern – vernahm der Autor nun die Nachricht: Heinz 

Bosch ist tot. Der Ehrenvorsitzende des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend starb 

am Samstag im Alter von 91 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls, in den er einen Tag 

zuvor verwickelt war.

Gerd Halmanns, der Vorsitzende des Historischen Vereins, würdigte den Verstorbenen. Mit Bosch verlören der Verein, die Stiftung von Haus Ingenray, aber auch die Stadt Geldern eine bedeutende Persönlichkeit. „Wir alle haben ihm sehr viel zu verdanken.“

Intensiv hat Heinz Bosch sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt Geldern beschäftigt, vor allem war er selbst ein wichtiger Zeitzeuge, ein Stück Mensch gewordene Stadtgeschichte. Niemand konnte 

so eindrücklich wie er an den 14. Februar 1945 erinnern. Er war damals 15, und er musste erleben, 

wie Geldern an jenem Aschermittwoch in Schutt und Asche gelegt wurde. Die ersten Bomben detonierten an der Egmondstraße, am Issumer Tor und am Nordwall. Bosch, seit September 1944 

als Melder eingesetzt, sieht die Bomber von der Plattform des Mühlenturms aus anfliegen und bringt 

sich mit der übrigen Turmbesatzung ganz unten im mittelalterlichen Bauwerk hinter zwei Meter dicken Mauern in Sicherheit. „Wir hörten den Lärm der Motoren und das Pfeifen der Bomben“, erinnerte er sich. Als er wieder oben auf dem Turm steht, sieht er, wie Geldern brennt. Das Feuerwehrhaus am Nordwall ist zerstört, die Feuerwehrleute, die in einem Bunker Schutz gesucht hatten, sind nach einem Volltreffer tot. Der 15-Jährige fährt mit dem Fahrrad nach Nieukerk, gerät unter Beschuss und erreicht am Ende, das die Krefelder Berufsfeuerwehr nach Geldern kommt und Löscharbeiten in der fast völlig zerstörten Stadt aufnimmt. Ein prägendes Ereignis für den jungen Heinz Bosch.

 

Am 6. August 1929 wurde er in Geldern, Ostwall 53, geboren. „Damals ging man noch nicht ins Krankenhaus“, sagte Bosch im August 2019, kurz vor seinem 90. Geburtstag. Damals erklärte er auch gleich einmal den Unterschied zwischen einem Gelrianer und einem Gelderner. Gelrianer, das sind die, die in Geldern geboren sind, Gelderner, alle anderen. „Ich fühle mich als Gelrianer“, sagte Bosch stolz. Er war stolz auf seine Stadt, schon seit seiner Kindheit. „Nach seinem Studium (Geschichte, Erdkunde, Sport) widmete er sich neben seinem Lehrerberuf mit außergewöhnlicher Energie dem Erforschen und Beschreiben der Geschichte Gelderns. Neben den vielen Publikationen verfügte er über ein eindrucksvolles Fotoarchiv, denn alle Veränderungen im Nachkriegs-Geldern hat er festgehalten.

Vor seinem Status als  Ehrenvorsitzender des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend  war er von 1986 bis 2002 dessen Vorsitzender. 1450 Mitglieder zählen sich zu dem Verein. „In seiner Zeit als Vorsitzender ist der zu einem mitgliederstarken Verein geworden“, sagte Halmanns im August  über Bosch. Der gehörte  auch zum Redaktionsausschuss für den Geldrischen Heimatkalender. Sein Engagement wurde ihm unter anderem mit dem Rheinlandtaler und dem Bundesverdienstkreuz gedankt.

Politisch war Bosch nie aktiv. Doch als der Markt bebaut werden sollte, als geplant war, die freie Sicht auf die Pfarrkirche durch einen Riegel am Kleinen Markt zu nehmen, stand Bosch in erster Reihe der Bewegung „Anti-Nordwand“. Am Ende entschieden 1995 die Bürger – gegen die Pläne von Rat und Verwaltung und im Sinne der Protestbewegung. „Das war das erste Plebiszit im Land. Und wir hatten viel Zustimmung, obwohl uns wirklich viele Steine in den Weg gelegt wurden“, erinnerte er sich kurz vor seinem 90. Geburtstag. Bosch hatte Anteil daran, dass nun ein massives Relief am Markt an das alte Geldern erinnert.

Sport spielte nicht nur im Beruf von Heinz Bosch eine große Rolle. In seiner Jugend hat er in der ersten Mannschaft von TuS Gelria gespielt. In den 60er Jahre war er ihr Trainer und hat sie zum ersten Mal in die Landesliga geführt. Bis zuletzt fuhr er gerne Fahrrad, und als das Hallenbad geöffnet war, zog er frühmorgens seine Bahnen dort.

(RP vom 19. 6. 2021) 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Geldern noch eine Festung war

In einer 3-D-Animation lässt sich anschauen, wie die Stadt vor rund 300 Jahren aussah. 

Grundlage dafür ist die Bachelorarbeit von Luca de Graaf aus Kevelaer. Sie wurde für zwei Teilprojekte weiterentwickelt.

 

  VON MICHAEL KLATT

GELDERN Es mutet an wie der Flug mit einer Drohne. Zu Barockmusik schwebt die Kamera über mächti­gen Mauern 

und Wassergräben, weite Kurven fliegt der Apparat ins In­nere der Stadt, zeigt Menschen in den Straßen und markante 

Gebäude: die Maria-Magdalena-Kirche, die Heilig-Geist-Kirche, das Rathaus mit dem Kleinen Markt, das Verwaltungs- 

und Justizgebäude „Et Hoff", Kapuziner- und Karmeliterkloster, das Kloster Nazareth mit seinem Garten.  

 

Die Epoche, die mit diesen Bildern wieder zum Leben erweckt wird, kannte freilich die Filmtechnik noch nicht. 

Geschweige denn eine Drohne. Sie liegt beinahe 300 Jahre zurück, und vieles von damals existiert heute nicht mehr. 

Zu sehen ist Geldern als Festungsstadt um 1750. Am Donnerstag hatte der rund zehnminütige Film Weltpremiere. Luca 

de Graaf aus Kevelaer hat ihn produziert. Die 3-D-Animation ist Ausfluss seiner Bachelorarbeit, die er 2020 an der 

Hochschule Rhein-Waal vorlegte.

 

Seit einigen Jahren steht der Historische Verein für Geldern und Umgegend in Kontakt mit Professor Dr. Frank Zimmer 

von der Hochschule Rhein-Waal, wenn es um die Rekonstruktion historischer Schauplätze geht. So konnte bereits ein Computermodell des1945 zerstörten Gelderner Rathauses entwickelt werden. 2020 haben Mitglieder des Historischen 

Vereins de Graaf für dessen Bachelorarbeit unter anderem mit historischen Informationen und Kartenmaterial unterstützt. 

Ziel seiner Abschlussarbeit war eine digitale Rekonstruktion der Festungsanlagen rund um die Stadt Geldern in der Zeit 

bis 1750.

 

Viele historische Karten und Illustrationen sah sich der Student an, besorgte sich Literatur über sein frei gewähltes Thema 

unter anderem im Gelderner Stadtarchiv. Als Grundlage entschied er sich für einen Plan aus dem Kriegsarchiv Stockholm. 

„Der ist wohl nach dem Angriff der Preußen auf Geldern von 1703 entstanden und dokumentiert die Zeit des Wiederaufbaus", 

beschreibt der 24-Jährige die Quelle. Sehr gut seien dadurch die Grundrisse von Geldern nachzuvollziehen gewesen. Mit der 

frei zugänglichen Software „Blender" schuf er am PC nach und nach das Modell.

 

Nachdem der Kevelaerer im September sein Studium abgeschlossen hatte, konnte ihn der Historische Verein dafür gewinnen, seine Ergebnisse in zwei Teilprojekten weiterzuentwickeln. Die Bachelorarbeit sei der Prototyp gewesen, erläuterte de Graaf 

bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Für die Weiterentwicklung verwendete er die Spiele-Engine „Unreal Engine 4", was 

unter anderem die Einbeziehung vieler Gebäude, neue Winkel und die detailreichere Darstellung des Bodens ermöglichte. 

Von November bis Ende Januar dauerte, mit vielen Videokonferenzen, die Arbeit im Modell. Der Filmschnitt nahm noch einmal Zeit bis Ende März in Anspruch.

 

Ein großes Kompliment sprach Gerd Halmanns, der Vorsitzende des Historischen Vereins, bei der Pressekonferenz dem Kevelaerer aus. De Graaf habe die Festung eigenhändig modelliert, den Film geschnitten, keine Mühe bei Detailänderungen 

sei ihm zu viel gewesen.

 

Dr. Wilfried Kleiböhmer vom Historischen Verein war laut Halmanns der Motor des Projekts. Als, so Halmanns, „bester Kenner der Festungsforschung im Rheinland“ war Dr. Guido von Büren, Leiter des Museums Zitadelle in Jülich,e in weiterer wichtiger 

Experte bei dem Projekt. Halmanns selber überprüfte, ob der Film die historischen Realitäten Gelderns abbildete.

Die Verteidigungsanlagen wie Wassergräben, Bastionen, Inseln und Brücken wurden exakt nach Plänen aus dem 18. 

Jahrhundert modelliert. Zwölf meist große Gebäude aus der Innenstadt konnte de Graaf detailgetreu nachbilden. Die übrige Bebauung zwischen den Wällen, von denen keine Ansichten überliefert sind, wurde in Analogie zur Bauweise der Zeit 

konstruiert, um ein Gesamtbild der Stadt zu ermöglichen. Der Film steht ab sofort bei YouTube unter „Die Festung Geldern um 1750" der Öffentlichkeit zur Verfügung. Von der Seite www. hv-geldern.de führt ein Link dorthin, ebenfalls von der 

Facebook-Seite des Historischen Vereins.

Das zweite Teilprojekt ermöglicht allen Interessierten die selbstständige individuelle Erkundung des historischen Zustandes 

1750. Wie in einem Computerspiel kann man sich virtuell durch die Straßen der Stadt sowie durch die riesigen Verteidigungsanlagen bewegen. Vor allem Schülern soll die Möglichkeit eröffnet werden, am Beispiel von Geldern zu 

verstehen, wie eine bedeutende Festungsstadt damals ausgesehen hat. Es soll auch deutlich werden, wie das heutige 

Stadtbild noch von diesen historischen Gegebenheiten vor fast 300 Jahren geprägt ist.

 

Der Historische Verein will die Arbeitsergebnisse den Schulen vor Ort und allen Interessierten kostenfrei anbieten. Geplant 

sind, sofern die Entwicklung der Pandemie es zulässt, öffentliche Veranstaltungen. Zumindest der Film soll über digitale 

Medien allen zugänglich sein. In Ausschnitten könnte er über einen QR-Code auf einer Stele beim von der Stadt gemeinsam 

mit dem Historischen Verein geplanten Festungswanderweg abrufbar sein.

 

(RP vom 16. 4. 2021)

 

 

Gelderns alte Festung wieder erlebbar machen

  Der Vorsitzende des Vereins für Geldern und Umgegend spricht über die Beeinträchtigungen durch die Pandemie und die Planungen für 2021. Und er zeigt auf, wie man den Verein unterstützen knn – durch Mitgliedschaft und Bücherkauf.

 

Der Mühlenturm am Südwall ist heute der markanteste Teil der Geldener Festungsanlage. Der Historische Verein will die alten Gemäuer in den Mittelpunkt rücken 

(Foto: Seybert/Prümen)

Das Jahr 2021 ist zwar fast schon einen Monat alt. Aber trotzdem bit­te ich Sie um einen kurzen Rück­blick auf 2020 aus Sicht des His­torischen Vereins für Geldern und Umgegend?

 GERD HALMANNS Für jeden von uns war es ein „historisches" Jahr. Wir mussten auf manches verzichten. Viele Pläne konnten wir nicht realisieren. Und dennoch haben wir das eine oder andere anbieten können: Der „Geldrische Heimatkalender" kam pünktlich auf den Markt. 

Schon im Frühjahr war die deutsche Version der zehnstündigen Filmserie „Die Ritter von Geldern" fertig. Alle Mitglieder erhielten sie 

geschenkt. Und nicht alle Exkursionen, Stadt­führungen oder Seminare fielen der Pandemie zum Opfer. Doch es war schmerzlich. dass wir 

20 20 kaum noch ins Nieukerker Haus Law aczeck einladen konnten. Es wird uns in Zukunft fehlen.

Wie vorsichtig sind Sie bei den Planungen für 2021?

 

HALMANNS  Wenn es um unsere neuen Publikationen geht, überhaupt nicht. Auch 2021 wird  es eine Ausgabe unseres Jahrbuchs, des 

„Geldrischen Heimatkalenders" geben. Und wir arbeiten an einer neuen „Jahresgabe“, einem prachtvoll illustrierten Band über die geldrische 

Herzogin Marie d'Harcourt und ihre Zeit, das frühe 15. Jahrhundert. Unter anderem war sie Stifterin und Wohltäterin der Kapelle und des 

Gasthauses zum Heiligen Geist, dort, wo heute die evangelische Kirche steht. Im Hinblick auf unser Fahrtenprogramm müssen wir noch 

orsichtig agieren. Doch in der zweiten Jahreshälfte wird es sicherlich einige Tagesexkursionen und auch Museumsfahrten geben. Unsere 

historischen Rundgänge in der Reihe „Laufend lernen", Vorträge und Workshops können wir ab dem Sommer wohl relativ kurzfristig ins 

Programm nehmen. Die ver­schobene mehrtägige Studienfahrt in die Freigrafschaft Burgund wird erst 2022 möglich sein.

 

Das Haus Lawaczeck in Nieukerk musste der Verein nach 20 Jahren aufgeben. Was wird das neue Domizil?

HALMANNS Zunächst einmal sind wir froh, dass unsere noch relativ neue Geschäftsstelle an der Gelderner Hartstraße so gut ange­nommen 

worden ist. Hier treffen sich Vorstand und Arbeitsgruppen des Vereins, und sobald es möglich sein wird, bieten wir hier auch wieder Seminarveranstaltungen, Büchermärkte und so weiter an. Auch die neue „gute Stube" der Stadt, das historische Refektorium am Ostwall, bietet 

sich als Ort für viele kulturelle Aktivitäten an, die bisher im Haus Lawaczeck stattfanden. Und wenn alles gut geht, werden wir nicht nur unsere Mitglieder in der zweiten Jahreshälfte in die mittelalterliche Burg Ingenray bei Pont einladen können. Das historische Gebäude ist Teil der Stratmans-Stiftung, deren Ziel eine Forschungs- und Begegnungsstätte des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend ist. Das Stifter-Ehepaar Stratmans hatte im Haus Ingenray seit Jahrzehnten eine unvergleichliche Sammlung zur niederrheinischen und geldrischen Geschichte aufgebaut. Dazu gehören unter anderem tausende Bücher, Urkunden, Fotos, Münzen, archäologische Fundstücke, Zeichnungen, Gemälde, Kupferstiche und Kevelaerer Devotionalien. In einem modernen Archivanbau, der gerade fertiggestellt wird, werden alle diese wertvollen Sammlungen aufbewahrt und können dort von Wissenschaftlern ebenso wie von Schülergruppen ausgewertet werden. Dazu kommen neu geschaffene Museumsräume und ein Veranstaltungssaal. Wir sind selbst gespannt, was wir unseren Besuchern dem­nächst alles bieten können.

Welche Projekte sind von der Coro­na-Pandemie nicht oder so gut wie nicht beeinflusst?

HALMANNS Die Arbeit an unseren Veröffentlichungen läuft kontinuierlich weiter. Eine Arbeitsgruppe gestaltet zum Beispiel gerade einen Fotoband über die 70er-Jahre im ehemaligen Kreis Geldern und in Rheurdt. Eine weitere Arbeitsgruppe unterstützt in regelmäßigen Videokonferenzen den Kevelaerer Luca de Graaf, einen jungen Wissenschaftler der Hochschule Rhein-Maas, bei der digitalen Modellierung der Festung Geldern in der Zeit um 1750. Damals war unsere Stadt Hauptstadt des „Herzogthums Geldern, königlich preußischen Antheils". Das Projekt verfolgt zwei Ziele: erstens einen Kurzfilm über die gewaltigen, heute aber kaum noch sichtbaren Verteidigungsanlagen zu erstellen, zweitens einen virtuellen Rundgang durch die historischen Straßen und Festungsbauten zu ermöglichen. Gemeinsam mit der Gelderner Stadtverwaltung möchten wir demnächst auch einen Festungswanderweg rund um die Innenstadt markieren, beschildern und mit QR-Codes er­lebbar machen.

Wie steht es mit dem Karl -Heinz- Tekath -Förderpreis?

HALMANNS Siebenmal haben wir diesen Preis bisher vergeben. Doch anders als in den vergangenen Jahren bekamen wir diesmal nicht wieder eine Fülle von überzeugenden Vorschlägen für diese Auszeichnung. Leider muss die für das Frühjahr 2021 geplante Verleihung entfallen. Doch wir gehen davon aus, dass es auch in Zukunft wieder preiswürdige Bachelor- und Masterarbeiten oder Dissertationen geben wird, die sich mit Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte, Sprache und Politik der Niederrheinlande beschäftigen werden. Vorschläge nehmen wir gern entgegen.

Wie sieht es mit der Entwicklung der Mitgliederzahlen aus?

HALMANNS Die Mitgliederzahl liegt seit Jahren recht konstant bei gut 1400. Wenn wir die Familienmit­gliedschaften mitzählen, kommen wir auf deutlich über 2200. Trotz einiger Todesfälle und altersbedingter Kündigungen ist es uns gelungen, immer wieder auch jüngere Menschen von den Vorteilen einer Mitgliedschaft hei uns zu überzeugen. Bei einer Beitragszahlung von nur 20 Euro pro Jahr muss man ja auch nicht lange überlegen! Immerhin gibt es dafür nicht nur regelmäßig allerlei Wissenswertes und Vorteile bei Veranstaltungen, sondern auch kostenlose „Jahresgaben", also zum Beispiel Bücher und DVDs.

Wie kann man den Historischen Verein in der gegenwärtigen Lage unterstützen?

  HALMANNS Wir sind schon sehr dankbar, dass fast alle Mitglieder uns in Pandemie-Zeiten treu geblieben sind, auch wenn wir aktuell nicht all das bieten können, was man sonst von uns erwartet. Es wäre schön, wenn uns weitere Menschen mit einem Eintritt helfen könnten. Und wir würden gern das eine oder andere Produkt unseres Verlags verkaufen. Denn auch in Lock­down-Zeiten müssen wir weiterhin Miete und Nebenkosten für unser Ladenlokal aufbringen. Bestellungen sind unter historischer.verein. geldern@web.de möglich. Unsere Angebote findet man im Internet bei www.hv-geldern.de. Wir liefern per Post oder, wo möglich, auch per­sönlich mit der „Fiets".  

 

(Quelle: RP vom 22. 1. 2021)

 

 

 

 

 

 

 

 

(RP vom 9. 12. 2020)



 

Ein neues Stück über die alte Heimat

Kalender für Geldern und Umgegend

 

Am Niederrhein. Wie sah die Wallfahrt nach Kevelaer in der Nazi-Zeit aus? Welche deutsch-niederländische 

Wasserstraße wurde am Niederrhein tatsächlich gebaut? Und was, bitte schön, ist eigentlich Sgraffiti-Kunst? Antworten 

auf diese Fragen gibt es im neuen Jahrbuch des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend: im Geldrischen 

Heimatkalender 2021.

Wie üblich sorgten 40 Autorinnen und Autoren für eine bunte Mischung. Wie immer beziehen sich die geschichtlichen, kunsthistorischen, naturkundlichen und sprachlichen Themen auf den Altkreis Geldern, der 1974 aufgelöst wurde. Wie 

gehabt bietet auch dieser Band wieder einen typisch niederrheinischen Weitblick über allzu kleinliche Gartenzäune 

und Kirchtürme hinweg. Der Stoff für unsere Veröffentlichungen geht nie aus, freut sich Vereinsvorsitzender Gerd 

Halmanns, der selber jedes Jahr erstaunt ist, welche Artikel für die jeweils neue Ausgabe angeboten werden. Wer meint,

 ein gutes Themas zu haben bitte melden!.

Ein westlicher Aberglaube

Erstaunlich, dass auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine umfassende Darstellung der damaligen 

Ereignisse etwa für Straelen und Herongen, direkt an der deutsch-niederländischen Grenze gelegen, fehlt. Darauf weist Stadtarchivarin Claudia Kürfürst in ihren Beitrag hin. Sie wertete bisher unveröffentlichte Berichte von und Interviews mit 

Zeitzeugen aus. Interessant: In diesen Erinnerungen wurden die vor Ort verantwortlichen Mitglieder der NSDAP 

namentlich nie genannt. Gedächtnislücken, die es durch Wissenschaftler oder Hobbyforscher zu schließen gilt.

  Es ist ein schützenswerter Anspruch solcher Heimatkalender, das darin bemerkenswerte Kleinigkeiten von dörflicher

Bedeutung noch Platz eingeräumt wird, um darüber mehr als nur ein Wort zu verlieren. Zum Beispiel über die Windfahne 

auf dem alten Rathaus in Geldern,die 1945 von vier Feuerwehrkameraden aus den Kriegstrümmern gerettet wurde; und 

die seit 1989 am Gerätehaus hängt. Theo Sieben rückt dieses uralte Kupferstück in die Gegenwart.

  In seiner fortlaufenden Porträtserie über die Städte und Gemeinden widmet sich der Journalist Michael Klatt diesmal: 

Weeze. Ein Ort mit 12.100 Einwohnern, der durch den Flughafen und, mehr noch, durch Parookaville landauf wie landab 

bekannt ist.

Lesenswert auch der Artikel von Christian Wiltsch, der mit dem Aberglauben aufräumt, dass bei alten Kirchen der Altar 

stets in Richtung Osten weist. 

 

(WAZ vom. 3. 12. 2020)

 

 

 
Ein subjektiver Blick auf Geldern
 
Gerd Halmanns, der Vorsitzende des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend, hat ein neues Buch 
über die Stadt geschrieben. Darin verknüpft er die Gegenwart mit Spuren aus der Gechichte und lädt zum 
Entdecken ein.
 
Gelderns Innenstadt mit der Pfarrkirche St. Maria Magdalena und dem Marktbrunnen aus der Luft. (Foto: Joachim Schulz)
 

An diesem Balkon auf der Issumer Straße sind Abertausen­de Menschen achtlos vorüber ge­gangen. Nichts Besonderes gibt es dort zu sehen: ein weißes Gitter, gel­be Sonnenschirme. Doch dahinter steckt Gelderner Stadtgeschich­te. „Hier gab es einmal eine Fabrik, die Schirmstoffe produzierte“, weiß Gerd Halmanns. Deshalb hat er ein Foto dieses Balkons für sein neues Buch ausgewählt. „Du, mein Gel­dern“, heißt es. Darin hat der Vor­sitzende des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend und ehemalige Lehrer des Lise-Meitner-Gymnasiums Verbindungen hergestellt zwischen dem Einst und Jetzt. Vor allem in Gelderns Kernstadt, aber auch in den Gelderner Ortschaften.

Ausgangspunkt dieses Projekts war ein Buch, das Halmanns vor einigen Jahren geschenkt bekam. Das war „Du, mein Xanten“ aus der Themenreihe des in Ahlen ansässigen Anno-Verlags. Es gefiel ihm gut. „So ein Buch müsste man auch über Geldern haben“. kam ihm da­mals der Gedanke. Halmanns nahm den Faden wieder auf, als in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie alle großen Urlaubspläne ins Wasser fielen. Anfang April begann er die Arbeit an dem Buch. „Ich habe mit meiner Frau viele Radtouren ge­macht und dabei viel entdeckt, auch bewusst für das Buch nach Dingen geschaut“, berichtet der pensionier­te Pädagoge. Darüber hinaus ließ er seine Erfahrungen aus zahlreichen Stadt- und Themenführungen sowie sein profundes Wissen als Histori­ker einfließen.

Am Ende sollte keine Ortschro­nik mit Anspruch auf Vollständig­keit stehen. Wie der Buchtitel „Du, mein Geldern“ andeutet, ging es um Halmanns’ subjektive Sicht auf die Stadt. „Mich hat interessiert: Was aus der Geschichte hat heute noch Einfluss? Was ist noch zu sehen und zu spüren?“

Dabei zeigt er auch auf, wie ver­meintlich banale Begebenheiten die Zeitläufte entscheidend len­ken können. So wird beschrieben, wie während des 80-jährigen Krie gs eine Ohrfeige Geldern wieder katho­lisch machte. Während eines Zechgelages gerieten der Obrist Maarten Schenk von Nydeggen und Aristot Patton. der schottische Gouverneur der Stadt, in Streit. Der Schot­te handelte sich einen Schlag ein - und rächte sich wenig später, indem er in der Nacht vom 4. auf  den 5. Juli 1587 das Issumer Tor offen und so die spanischen Belagerer eindringen ließ. „Nach neun Jahren Zugehörigkeit zu den niederländischen Generalstaaten geriet Geldern so unter spanischen Einfluss“, bilan­ziert Halmanns die Folgen dieses Zwischenfalls.

Ein Kapitel widmet sich der Kunst, der Kultur und dem Lebensgefühl in Geldern. Da habe die Stadt mitsamt ihren Ortschaften jede Men­ge zu bieten, urteilt der Autor. Die Pfingstkirmes, die Straßenparty, die Oper im Espresso-Format, das Dra­chenfest und die Tolkien-Tage gehören in diese Reihe. Fasziniert ist Halmanns von den Glasfenstern von Joachim Klos, die zum Beispiel im Adelheid-Haus in Geldern oder in der Martini-Kirche in Veert zu be­wundern sind.

Das Schlusskapitel widmet Hal­manns „Erinnerungsorten“. Eben jenem Schirmbalkon auf der Issu­mer Straße. Aber auch tragischen Er­eignissen. So erinnert eine Gedenkstätte im Wald bei Walbeck an vier junge Soldaten, die im Januar 1945 von einem Standgericht wegen De­sertion zum Tode verurteilt wurden.

Und an einer unscheinbaren Tafel an der Kapuzinerstraße ist zu le­sen, dass es die Wallfahrt in Kevelaer ohne den Gelderner Kaufmann Hendrick Busman und dessen Frau Mechel Schrouse wohl nicht gäbe.

15 Tipps darüber, was man in Geldern mindestens einmal getan oder gesehen haben sollte, gibt Hal­manns auch. Der Genuss desWalbecker Spargels und eine Paddeltour auf der renaturierten Niers gehören dazu, auch der Rundblick vom Mühlenturm aus und ein Konzert in den beiden Kirchen in der Gelderner In­nenstadt.

Und jeder Leser ist eingeladen, sich sein ganz persönliches Bild von der Stadt zu mache und die Ausfüh­rungen zu überprüfen und zu ergän­zen.

(PP vom 6. 11. 2020, Text: Michael Klatt)

 

 

 

Wer sagt, dass Geschichte dröge sein muss?

Humorvolle Filmreihe über das Herzogtum Geldern erforscht die grenzüberschreitende Geschichte

erstmals mit deutschen Untertiteln

 

Von

 Thomas Langer

 

Gelderland

Stellten die deutsche Version vor (v. l.): Stefan Schoppmann, Knut Lipke (beide Übersetzung), Gerd Halmanns 

(Historischer Verein) , Dieter Pütz (Sparkasse) und René Arendsen (‚Ritter‘). NN-Foto: Thomas Langer

GELDERLAND. Drachentöter, Komplotte und Kriege: Das macht nur einen Teil der Geschichte des 

Gelderlandes aus. Und dafür, dass es um Geschichte geht, klingt das doch gar nicht so trocken, oder? 

Zumindest dann nicht, wenn man die Themen entsprechend anpackt.

Genau das tat das niederländische Regionalfernsehen von „Omroep Gelderland“ mit der 20-teiligen Filmreihe „Die 

Ritter von Geldern und unser verlorenes Herzogtum“. Die kam so gut an, dass viele Mitglieder des Historischen 

ereins für Geldern und Umgegend anfragten, ob man die Reihe nicht übersetzen könne. Die Idee fand Anklang: Weil 

eine Synchronisation zu teuer gewesen wäre, entstand eine untertitelte Version in Zusammenarbeit mit „Omroep 

Gelderland“ und finanzieller Hilfe der Sparkasse Krefeld und der Stiftung Cultuur-en ErfgoedLab.

Eine humorvolle Reise durch die Geschichte

Die Geschichte des Herzogtums Geldern wird in je 30-minütigen Filmen von den beiden titelgebenden und in den 

Niederlanden berühmten ‚Rittern‘ René Arendsen und Bas Steman aufgearbeitet. Und das geschieht mit viel Humor und Augenzwinkern. Das wird etwa beim Landkartenpuzzlen in freier Wildbahn deutlich oder wenn Gelderns Bürgermeister 

ihren Chauffeur spielt. Oder in der ersten Folge, in der die beiden von Herzog Karl von Egmond zum Ritter geschlagen 

werden und er sie beauftragt, der Geschichte des Herzogtums auf den Grund zu gehen.

In den 20 Folgen setzen sie sich an Orten wie Geldern, Kevelaer, Straelen und Goch (in den Niederlanden natürlich auch) mit Themen wie gesellschaftlichen Entwicklungen und Kunst und Kultur im Gelderland auseinander.

Den Anfang macht der Mythos um den von Wichard getöteten Drachen, dessen letzter Schrei „Gelre“ namensgebend 

für die danach gebaute Burg und für Geldern gewesen sein soll. Damit geben sich die Ritter aber nicht zufrieden und 

machen sich auf den Weg zum wahren Ursprung des Herzogtums, nämlich nach Wassenberg. Dort stoßen sie auf den Namensgeber des Geschlechts Van Gelre, Gerhard I. So lernen sie Schritt für Schritt mehr über eines der ehemals 

mächtigsten Fürstentümer Europas. Sie tauchen ein in die Geschichten eines Bruderzwists, langer Kriege und eines 

bösen Prinzen. Das kann selbst ‚Game of Thrones‘ nicht besser.

Running Gags sorgen dabei für weiteren Unterhaltungswert. So ist die Geldrische Flagge immer mit dabei auf der 

persönlichen Heldenreise der Ritter. Auch ein Glas Bier zur Entspannung nach einem harten Tag darf bei beiden nicht 

fehlen.

Übereinander lernen

Durch die Filme lernen Deutsche und Niederländer viel übereinander, umfasst das Gebiet doch Teile beider heutigen 

Länder. „Wir haben eine gemeinsame Tradition und Wurzeln. Und die Filmreihe ist wunderbar grenzüberschreitend“, 

sagt Gerd Halmanns, Vorsitzender des Historischen Vereins.

Mitglieder des Vereins bekommen die DVD-Box kostenlos in der Geschäftsstelle in Geldern, Hartstraße 4-6. Dort und im örtlichen Buchhandel stehen auch rund 200 Exemplare für je 15 Euro zum Verkauf.

(Quelle: NN vom 4. 3. 2020)

 

 

 

Ein Stück Heimat

 

Nostalgisch und lustig, kritisch und lehrreich ist das neue Jahrbuch für den Altkreis Geldern. Und Gerd Halmanns 

berichtet darin über „einen fast sensationellen Fund“

 

Gerd Halmanns mit dem Heimatkalender 2020, herausgegeben vom Historischen Verein für Geldern und Umgegend

 

Am Niederrhein Mag sein, dass es Menschen gibt, die Gerd Halmanns belächeln. Damit aber kann er problemlos leben. Um seine Freude über „einen fast sensationellen Fund“ zu verstehen, muss man schon einen Sinn für heimatliche Geschichte haben. „Ohne geht es nicht“, weiß auch der Vorsitzende des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend.

Die Geschichte, um die es geht, in aller Kürze: Zwei Lokalhistoriker aus dem niederländischen Boxmeer erhalten im Herbst 2018 zwei schwarz-weiße Fotos aus Israel. Darauf soll der Innenraum der 1943 niedergebrannten Synagoge in der Gemeinde in der Provinz Noord-Brabant zu sehen sein. Das kann nicht sein, sind sich die beiden einig – und schicken die Bilder an den Historischen Verein für Geldern und Umgegend. Dort konnte auf Aufnahmen einwandfrei die von den Nazis 1938 zerstörte Synagoge am Nordwall identifiziert werden.

„Bisher war nur noch ein klitzekleines Foto vom Innenraum der Synagoge bekannt. Jetzt haben wir zwei gute Bilder davon“, freut sich der ehemalige Deutsch-, Niederländisch- und Geschichtslehrer Gerd Halmanns. Natürlich: Es gibt sehr viel wichtigere Dinge im Leben. Aber: Ist es nicht toll, einen dunklen Fleck in der Stadtgeschichte zumindest ein wenig zu erhellen?   Die ganze Geschichte dieser eher zufälligen (Wieder-)Entdeckung ist im Geldrischen Heimatkalender 2020 nachzulesen, den der Historische Verein für Geldern und Umgegend seit nunmehr 1977 herausgibt.

Besonders an diesem Heimatkalender ist sein Verbreitungsgebiet. Abgebildet wird das Leben im Altkreis Geldern, der zwar auf Autonummernschildern mittlerweile wieder wiederzuerkennen ist, den es ansonsten aber seit dem 1. Januar 1975 nicht mehr gibt – und der seitdem allein in der Erinnerung der Menschen lebt.

Eigentlich ist es jedes Jahr ein kleines Wunder, dass der Geldrische Heimatkalender erscheint. Auflage der neuen Ausgabe: 2.500 Exemplare. Ohne finanzielle Unterstützung der Stiftung der Volksbank an der Niers, des Kreises Kleve sowie der Familie Bösken-Diebels wäre die Herstellung nicht möglich, betont Gerd Halmanns.

Mal abgesehen von der ehrenamtlichen Arbeit, die sich die Mitglieder des 14-köpfigen Redaktionsbeirates gerne antun.

Ja doch, Heimatkalender sind eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Heute klingt allein ihr Name manchem Zeitgenossen altbacken oder antiquiert. Andererseits, verrät Gerd Halmanns: „Im Verein wurde mal darüber diskutiert, den Kalender in Jahrbuch umzubenennen. Wir haben es dann aber nicht getan. Und mittlerweile ist der Begriff Heimat ja wieder schwer in Mode.“

Bestes Beispiel ist Historische Verein für Geldern und Umgegend. Der bekam in diesem Jahr den Heimat-Preis des Kreises Kleve, der erstmals vergeben wurde. „Eine tolle Anerkennung unserer Arbeit“, findet Gerd Halmanns.

Der HV, bereits 1851 gegründet, gehört mit rund 1.500 Mitgliedern zu den großen Geschichtsvereinen in Deutschland. Ziel ist „die Erforschung geldrischer Geschichte und Landeskunde sowie die Pflege der regionalen Kultur“. Die Satzung verpflichtet – bis heute.

Die Herausgabe des Heimatkalender ist bloß ein Teil der Vereinsarbeit, doch immer eine, die auch Freude macht. Zum Beispiel, wenn sich unverhofft zwei Hobbyhistoriker aus Holland melden…

Der Geldrische Heimatkalender 2020, 304 Seiten, 10,90 Euro, ist beim Historischen Verein für Geldern und Umgegend, Hartstraße 6 in Geldern zu kaufen, Kontakt: 02831/9 73 65 00, www.hv-geldern.de

 

(Quelle: WAZ vom 19. 12. 2019)

Kreis Kleve vergibt erstmals einen Heimatpreis

Aus den Händen von Landrat Wolfgang Spreen (Mitte) nahmen die Vertreter des Kreisverbands Kleve für

 Heimatpflege, des Historischen Vereins für Geldern und Umgegendund des Vereins Landschaftspflege im

 Kreis Kleve die Heimatpreise entgegen. Foto: Kreis Kleve

 

Heimat ist vielfältig. Heimat ist traditionell. Heimat ist Zukunft. Dies alles zeigte sich auch bei der

Verleihung der ersten Heimat-Preise des Kreises Kleve. Die Mitglieder des Kreistags hatten für die

Auszeichnung des Kreisverbands Kleve für Heimatpflege, des Historischen Vereins für Geldern

und Umgegend und der Landschaftspflege im Kreis Kleve gestimmt.

 

Im Rahmen der aktuellen Sitzung des Kreistags wurden die drei Preisträger ausgezeichnet.

Landrat Wolfgang Spreen würdigte die vielseitigen, ehrenamtlichen Engagements der drei Preisträger. Unter dem

Motto „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet“ hatte das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW ein Programm zur Heimatförderung ins Leben gerufen. Der Kreis Kleve

nimmt mit der aktuellen Auslobung der drei Heimat-Preise an diesem Förderprogramm teil. Als Preiskriterien legten

die Mitglieder des Kreistags „Verdienste um die Heimat“, „Pflege und Förderung von Bräuchen“ und „Erhalt von Kultur

und Tradition“ fest. 16 Vorschläge erreichten das Kreishaus; drei Vereine wurden nun von Landrat Wolfgang Spreen

 ausgezeichnet.

Der Kreisverband Kleve für Heimatpflege ist der erste Preisträger und erhält somit neben der Heimat-Trophäe des

Ministeriums und einem Kreis-Kleve-Plakat von Wilhelm Schlote ein Preisgeld in Höhe von 5000 Euro. Die Vereinigung

von 64 Heimat-, Geschichts-, Verkehrs-, Gartenbau- und Naturschutzvereinen im gesamten Kreisgebiet verfolgt das

Ziel, die Heimat als gesunden Lebensraum zu erhalten. Zu den bekanntesten Aktivitäten des Kreisverbands gehören Gartenwettbewerbe, die „Tage der offenen Gartentür“, die Begleitung interessierter Dorfgemeinschaften im Wettbewerb

„Unser Dorf hat Zukunft“ sowie die Interessensvertretung im Naturschutzbeirat des Kreises Kleve.

(RP v. 24. 11. 19)

 

 

Quelle: NRZ v. 5. 7. 2019

 

Comic erzählt die Geschichte des Herzogtums

In der St.-Michael-Grundschule wurde die niederländisch-deutsche Co-Produktion vorgestellt, die in vielen bunten Bildern die Historie des Herzogtums 

Geldern für alle Altersklassen zum Leben er­weckt. Exemplare für alle Gelderner Grundschulen.

 

Wie groß war das Herzogtum Geldern? Wie kam es zu seiner Entstehung, und welche Geschichten hat es zu erzählen? Das Comic „Unser verlorenes 

 Herzogtum" beantwortet all diese Fragen und mehr. Denn „die Idee ist, dass nun Geschichtsinteressierte jeden Alters einen einfachen Einstiegspunkt 

haben", erklärt Gerd Halmanns vom Historischen Verein für Geldern und Umgegend, der das Werk ins Deutsche übersetzte.

 

  „Geschichte kann manchmal langweilig sein", gab Rene Arendsen zu, der Autor der gezeichneten Reise in die örtliche Vergangenheit. „Sie kann aber 

auch sehr spannend und witzig sein, und das haben wir im Comic-Buch versucht, denn die Vergangenheit des Herzogtums ist eine märchenhafte, mit 

Rittern, Burgen und Krieg. Deshalb hoffen wir, dass ihr auch so viel Spaß beim Lesen habt, wie wir Spaß hatten beim Machen."

 

Die Idee für die niederländisch-deutsche Co-Produktion entstand vor etwa vier Jahren. Hauptpartner auf der holländischen Seite war „Cultuur Erigoed 

Lab". Dabei war es uns am wichtigsten, dass das gesamte Projekt grenzüberschreitend war und wirklich die gemeinsame Geschichte erzählt“, betont 

der Geschäftsführer des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend, Gerd Koppers.

  Zahlreiche Kooperativpartner halfen bei der Finanzierung und Entstehung der bunten Bilderwelten, die in einem Schulzimmer beginnen. Zwei junge 

Schüler finden nämlich die Geschichte des Herzogtums Geldern alles andere als spannend. gehen dann aber gemeinsam mit einer jungen Lehrerin 

auf die Reise durch die Jahrhunderte. Jedes Mal, wenn sie die blau gelbe Fahne der Herzöge von Geldern schwenkt, reisen die Drei zu einem neuen Ort,

 der die abwechslungsreiche Historie der Gegend beleuchtet.

  Die große Präsentation des Comics wurde am Donnerstagmittag in der St.-Michael-Schule abgehalten. Vertreter der Projektpartner sowie Gelderns 

stellvertretender Bürgermeister Rolf Pennings waren vor Ort. Das Wichtigste waren aber die jungen Schüler, die ein Quiz zum Herzogtum beantworteten. 

Nachher durfte jeder ein Comic-Exemplar mit nach Hause nehmen.

Die Zusammenarbeit kam dadurch zustande, dass die 4a, die Klasse von Konrektorin Corinna Engfeld, im niederländischen Schloss Rozendael 

bereits bei einem spielerischen Info-Tag über das Herzogtum mitgemacht hatte. „Was die Kinder damals im Spiel und mit Schauspielern auf der Burg 

erfahren haben, das kann man nun im Comic immer wieder nachlesen", so Engfeld. Viele Kinder haben die Chance, einen Blick in die gezeichnete 

Geschichtsstunde zu werfen, denn jede Grundschule im Bereich des „verlorenen Herzogtums“ bekommt eine Ausgabe.

(Quelle: RP v. 11. 5. 19, Text: CHRISTOPH KELLERBACH)

Bilder der Veranstaltung:

 

(Fotos: René Arendsen)

 

 

 

Tekath-Preis für Theresa Langenhof

 

Preisträgerin Theresa Langenhoff (3.v.l.) mit der Jury und der Laudatorin Dr. Marion Brüggler (l.). Foto: Evers, Gottfried (eve)

 

Gerade 26 Jahre jung ist Theresa Langenhoff. Und doch genießt sie schon hohes Ansehen in der archäologischen 

Fachwelt. Darauf wies am Freitagabend Gerd Halmanns, der Vorsitzende des Historischen Vereins für Geldern und 

Umgegend, im Bürgerforum hin. Dort erhielt die Frau aus Rhede eine Würdigung für ihre wissenschaftliche Arbeit. Bei 

der siebten Verleihung des mit 2500 Euro dotierten Karl-Heinz-Tekath-Förderpreises wurde sie als insgesamt elfte 

Preisträgerin ausgezeichnet. Sie bekam den Preis für ihre Masterarbeit „Die römerzeitliche Siedlung bei Wachtendonk-Meerendonkshof“, die sie an der Universität Freiburg schrieb, wo sie ihr Studium im März 2018 mit 

„sehr gut“ abschloss.

 

Die Grabung in Wachtendonk, die Theresa Langenhoff mit ihrer „wundervollen Masterarbeit“, so Halmanns, 

dokumentierte, fand vom Sommer bis Spätherbst 2014 statt. Es galt, einer der Fundmeldungen über eine mögliche 

römische Ansiedlung, die in den 1950er und 1960er Jahren gemacht wurden, nachzuspüren, bevor die Kiesabgrabung 

jegliche Zeugnisse unzugänglich machte. Auf einem Areal von 4800 Quadratmetern waren die Mitarbeiter der 

Außenstelle Xanten des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege tätig. Alles wurde zusammengetragen: Funde, Bilder, 

Zeichnungen. So beschrieb es die junge Wissenschaftlerin, die sich „froh und stolz“ über den Förderpreis äußerte. 

Nachgewiesen wurden schließlich vier einzelne Gebäude, zwei Brunnen, ein langer Graben und verschiedene Gruben.

Theresa Langenhoff habe in einem vorbildlichen Katalog alle Spuren und Materialien der Grabung dargelegt, würdigte 

Laudatorin Dr. Marion Brüggler von der LVR-Außenstelle Xanten die Leistung der jungen Archäologin. Lange Zeit hätten 

flächige Ausgrabungen römischer Siedlungen im Hinterland Xantens gefehlt. Erst ab 2007 hätten Funde in 

Weeze-Vorselaer, Keve­laer-Grotendonk und eben Wachtendonk-Meerendonkshof gezeigt, dass die Region mitnichten 

spärlich besiedelt war. „Wachtendonk-Meerendonkshof ist die einzige abschließend ausgewertete Siedlung in Xantens 

Hinterland.“

(Quelle: RP v. 5. 4. 2019)

 

Beeindruckende Zeugnisse einer Zeit des Übergangs

  Historischer Verein stellt neuen Fotoband „Die Sechziger Jahre im Kreis Geldern und in Rheurdt“ vor

 

Gerd Koppers (1.), Bernhard Keuck und Heinz-Dieter Itonnekarnp (r.) vorn Autorenteam präsentieren mit Patrick Tekock, Regionalmarktleiter 

Geldern der Sparkasse Krefeld (2.v.1.),den neuen Foroband.

 

GELDERLAND. Es waren weltbewegende Zeiten. die Sechziger Jahre: der Kennedy-Mord, die Musikrevolution der Beatles, die Mondlandung, die Studentenrevolte 1968 sind einige markante Stichworte jener Jahre. Doch wie schlugen 

die Jahre des Umbruchs sich im Bild unserer ländlichen Region nieder? Das kann man jetzt nachvollziehen in der neuen Jahresgabe des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend, ein großformatiger Fotoband, der den Leser in mehr 

als 300 Fotos zurückführt in die Sechziger Jahre.

 

Die Fotos stammen überwiegend aus den privaten Alben und Schachteln der Familien; die Menschen haben sie meist 

für rein private Zwecke selbst geschossen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele kleine Meisterwerke sich unter 

diesen ,,Knipserbildern" befinden, die meist nur als Kontaktabzüge in den Formaten fünf mal fünf, sechs mal sechs 

oder sechs mal neun erhalten sind. Darüber hinaus finden sich auch Fotos aus den Vereinssammlungen, den Schul-, 

Behörden- und Kommunalarchiven, sowie von Pressefotografen wie Ulrich Engelmann und Peter Stachelscheid und Hobbyfotografen wie Leo Opheys und Leo Seilers.

 

Die Sechziger Jahre waren eine Zeit des Obergangs. Die gesellschaftlichen Umbrüche des Jahres 1968 breiteten sich 

von den Ballungszentren aus, erreichten aber den ländlichen Raum wie den Kreis Geldern mit Verzögerung. Immerhin 

war auch bei uns die wachsende Länge der Haarfrisuren, die kürzer werdenden Röcke und die weiter werdenden Hosenbeine zu konstatieren. Mehr ins Gewicht fielen aber die Veränderungen in Natur und Landschaft, die zum 

Beispiel durch die Technisierung der Landwirtschaft verursacht wurde. Der Wandel dokumentiert sich auch im 

rasanten Ausbau der Verkehrs- und Wohnungsinfrastruktur und des Autoverkehrs. Viele Fotos spiegeln das sich 

langsam modernisierende Arbeitsleben, die Welt der Firmen und Geschäfte. Eher  in gewohnten Bahnen verlief 

das gesellige Leben der Menschen auf den Schützenfesten, den Umzügen, Prozessionen, bei Karneval und Kirmes.

Eines der wichtigsten Ereignisse für die Kreis Gelderner Bevölkerung der 60er Jahre war die kommunale Neuordnung. 

Die von Politik und Landesverwaltung beabsichtigte Schaffung leistungsfähigerer Verwaltungseinheiten bedeutete die Zusammenlegung bisher selbstständiger Städte, Dörfer und Amtsbürgermeistereien. Ab 1966 versetzten die Pläne der Zusammenlegungen die Gemüter in Wallung. Auch hiervon hat sich in den Fotos mancher Niederschlag erhalten.

Gesammelt, ausgewählt und kommentiert haben die Bilder Heinz Dieter Bonnekamp, Bernhard Keuck,

Johanna Klümpen­Hegmans, Gerd Koppers, Jürgen Kwiatkowski und Peter  Wagener.

 

Der mit Unterstützung der Sparkasse Krefeld veröffentlichte Band kann auch in den örtlichen Buchhandlungen zum 

Preis von 19 € erworben werden. Für die Mitglieder des Historischen Vereins liegt die Jahresgabe im Kreisarchiv und 

in der Geschäftsstelle in Geldern, Hartstraße, zur Abholung bereit.

(Quelle: Niederrhein Nachrichten vom 5. 12. 2018)

 

 

 

Rheinlandtaler für Bernhard Keuck

 

Der ehemalige Stadtarchivar von Straelen erfährt an seiner Wirkungsstätte die Würdigung des Landschaftsverbands 

Rheinland. In der Feierstunde wird an seine vielfältigen Aktivitäten erinnert.

 

 

Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland (l.), übergab Bernhard Keuck den Rheinlandtaler. Seine Ehefrau Doris 

Keuck bekam einen Blumenstrauß.                                                                                                                                                                                  FOTO STADT

 

An seiner alten Wirkungs­stätte erfuhr Straelens ehemaliger Stadtarchivar eine besondere Würdigung. Anne Henk-Hollstein, 

die Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, überreichte ihm den Rheinlandtaler. Die Feierstunde, meinte die Besucherin 

in ihrer Laudatio, gelte einem Menschen, „der zu dieser Landschaft und Region passt und für sie und ihre Menschen Großartiges geleistet hat".

 

Einen Blick warf die Rednerin in Keucks Biografie: Aufgewachsen in Straelen, nach heutigen Maßstäben in einer Großfamilie, wo Zusam­mensein 

gepflegt und Solidarität und Gemeinwohl großgeschrie­ben wurde, lebte er umgeben von einem Fluidum an Gelehrsamkeit und Geschäftigkeit in der 

elterlichen Buchhandlung samt angeschlossener Buchdruckerei. Mit Büchern und Druckerschwärze groß geworden, öffnete sich zugleich ein Stück 

weit das Tor zur weiten und bunten Welt, was nicht ganz unwichtig für den weiteren Lebensweg und auch die eine oder andere Prägung und Neigung 

gewesen sei. Nach dem Abitur absolvierte er ein Bibliotheks­studium und landete 1979 beim Kreis Kleve, wo er nach einem erfolgreich bestandenen 

Fachlehrgang für Kommunal- und Kirchen­archivare in Köln bis Ende 1990 als Archivar im Kreisarchiv tätig war

 

Im Januar 1991, mit Einrichtung der neuen Stadtarchivar-Stelle, trat Keuck seinen Dienst in Straelen an. Bereits im Mai 1992 konnte er dieses Archiv 

dank einer ausgezeichneten Kooperation zwischen Archivberatungsstelle Rheinland, Denkmalpflege und örtlicher Baubehör­de an seinem heutigen 

Standort in bester städtischer Lage mit eröffnen. „Bernhard Keuck hatte am rechten Ort seine Traumberufung gefunden, die durchaus seinem Naturell 

entsprach. Leute, die näher mit ihm zu tun hatten, schildern ihn als einen auf den ersten Blick unprätentiö­sen, ruhigen, eher zurückhaltenden, aber 

nicht weniger freundlichen und hilfsbereiten Menschen." Kulturbegeisterung, Musik- und Kunstsinn seien ihm ebenso eigen wie vor allem Neugierde 

und Wissensdurst in fast kosmonolitischer Dimension.

 

Zur akademischen Wissbegierde geselle sich der Wesenszug einer starken Persönlichkeit mit langem Atem, großer Ausdauer, gepaart mit einer 

bisweilen unerschütterlich anmutenden positiven Einstellung, jedoch stets klaren Zielen vor Augen.

 

Die Laudatorin bezeichnete Keuck als großen lokalen und regionalen Kommunikator von Geschichte und Geschichten. In mehr als 130 

Veröffentlichungen habe er seine mit Akribie recherchierten Artikel der Straelener, aber auch der Geschichte des ehemaligen selbständigen und heute 

klevischen Südkreises Geldern kundgetan, gut lesbar für Einsteiger wie Fortgeschrittene. Zahlreiche Vorträge und Ausstellungen gehen auf sein Konto, 

weit mehr als I0000 Besucher haben zu den unterschiedlichsten Anlässen den Weg ins Stadtarchiv gefunden. Hunderte von Seiten stammen aus der 

Feder von Keuck, Literaturzusammenstellungen, Bildbände, gewichtige Monographien, kleine und größere Darstellungen gehören zu seinem Werk, für 

das er zigtausende Stunden Arbeits- und Lebenszeit für das Gemeinwohl investierte. Wer den Geldrischen Heimatkalen­der, die Zeitschrift „Straelen 

Aktuell" oder auch nur die Seniorenpost Straelen liest, stößt unweigerlich auf den Text- und Bildaulor wie auch den Redakteur Bernhard Keuck. Als 

Aufklärer möchte er zeigen, dass die dunklen Seiten der Vergangenheit ganz nah sein konnten. Sie erinnerte beispielsweise an die Verlegung der 

Stolpersteine 2013.

 

Bernhard Keuck stehe für Gemeinsinn, er wisse, wie wichtig Identität für ein Gemeinwesen und seine Menschen ist. Als buchstäblicher Stadtschreiber 

beherrsche er das Geschäft des bürgernahen Geschichtenerzählers. Der Kulturschützer Keuck schwinge keines­wegs nur die Feder und sei nicht nur 

als Chronist mit der Kamera unterwegs, sondern packe mit an, manage und überwinde selbst Zäune, wenn es gelte, das geistige Erbe zu retten.

 

Auch Bürgermeister Hans-Josef Linßen und die stellvertretende Landrätin Hubertina Croonenbroek würdigten den Einsatz und die Arbeit Bernhard 

Keucks in ihren Ansprachen.  

(Quelle: RP, Michael Klatt)

 

 

Dr.

Trauer um früheren Chefarzt Ernst Fischer

                                                                                           Foto: Seybert, Gerhard (seyb)

Geldern Der frühere Chefarzt des St.-Clemens-Hospitals starb am Sonntag. Ein sehr persönlicher Nachruf auf eine große Persönlichkeit.

Ernst Fischer ist tot. Ich kann es noch gar nicht glauben. Immer wieder hat er so überzeugt gesagt, dass er 100 Jahre alt wird, dass auch ich nie daran gezweifelt habe. Am Sonntag ist er gestorben, wenige Tage vor seinem 99. Geburtstag.

Dr. Ernst Josef Fischer, auch gern Ernesto genannt: Er gehört zu den großen beeindruckenden Persönlichkeiten, die ich in meinen gut 22 Jahren in Geldern kennenlernen durfte. Dabei kenne ich den Großteil seiner Biografie nur aus seinen eigenen fesselnden Erzählungen und aus seinem Buch „Im Zeitraffer“, in dem er auf 440 Seiten sein Leben Revue passieren lässt. Etwa die Kindheit in Wittlich, die Jugend in der Theatergemeinschaft Emgebia, das Abitur auf dem Aloisius-Kolleg in Bad Godesberg und das Medizinstudium, das 1940 durch den Fronteinsatz im Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Verletzt kam er in eine Studentenkompanie 

in Würzburg, wo er seine Frau Irmingard kennenlernte. Am 20. September 1944 heirateten sie, im März 1945 legte er sein Notexamen ab. Seine berufliche Laufbahn begann 1949 am Klinikum Essen, eine weitere Station war die Universitätsklinik Bonn, bis er 1961 nach Geldern kam: als Chefarzt an der Inneren Abteilung des St.-Clemens-Hospitals. Ich habe ihn in dieser Zeit noch nicht gekannt, aber ich sehe ihn vor meinem geistigen Auge, ein Chefarzt wie aus dem Bilderbuch. 

Zitieren wir Gerhard Blüm: „Es war ganz sicher ein Glücksfall und keineswegs selbstverständlich, dass ein Arzt mit überragenden fachlichen Qualitäten und Fähigkeiten sich in einem ländlichen Bezirk etablierte, obwohl ihm unschwer eine Karriere auf Universitätsebene vorausgesagt werden konnte. Er hat es verstanden, ein wissenschaftliches und menschliches Klima zu schaffen, das uns junge Ärzte faszinierte, formte und motivierte.“ Entscheidend brachte Ernst Fischer sich auch in den Neubau des Gelderner Krankenhauses und die damit verbundenen Planungen ein. Nach dem Eintritt in den Ruhestand praktizierte er noch fünfeinhalb Jahre.

Damals entdeckte das Ehepaar Fischer die Freude an weiten Reisen, vor allem nach Lateinamerika. Ernst Fischer widmete sich der präkolumbanischen Kunst. Seine Sammlung war schon in vielen Ausstellungen zu sehen. Mit großem Engagement brachte er sich in den Rotary Club Geldern ein, als dessen Mitbegründer er noch Anfang September geehrt wurde. Und Irmingard und Ernst Fischer waren Familienmenschen: Treffen mit den vier Kindern, acht Enkeln und zehn Urenkeln waren immer ein Fest für ihn.

Vor allem war Ernst Fischer eine Persönlichkeit, die auch im hohen Alter rege am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnahm. Und wenn Ernst Fischer einem Bundeskanzler schrieb, antwortete nicht ein Referent, sondern beeindruckt von dem Brief griff dann auch ein Regierungschef einmal selbst zur Feder. Darum macht mich sein Tod wohl besonders traurig. Ernst Fischer steht für gutes Benehmen, hohe Allgemeinbildung, Verständnis für Kultur wie für soziale Anliegen, für Respekt. Er war nicht uneitel, konnte aber auch über sich selbst lachen. Er steht für Werte, die uns heutzutage leider immer häufiger fehlen. Adios, Ernesto.

(Quelle: RP v. 27. 9. 2018)

Dr. Fischer war viele Jahre im Beirat des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend. Wir sind ihm zu großen Dank verpflichtet. Sein Engagement wird im Verein weiterwirken und wir werden uns sehr gern an ihn erinnern.

 
                


  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Paul Lambert, Heinz-Martin Blume, Karl-Heinz Pastoors, Volkwart Lyhme und Klaus Oerschkes (v.l.n.r., 

es fehlt Margret Rath und Dieter Bonnekamp) bei der Vorbereitung der Ausstellung.     Foto: privat

Vom Kloster Nazareth bis zum Kapuziner-Tor

Ausstellung in der neuen Geschäftsstelle des Historischen Vereins in Geldern

 

GELDERN. „Vom Kloster Nazareth bis zum Kapuziner-Tor: 600 Jahre Entwicklungen und Veränderungen in einem 

Gelderner Stadtquartier": Dieses ursprünglich kleine Projekt entwickelte sich im Archäologischen Arbeitskreis (AAK) 

des Historischer Vereins für Geldern und Umgegend wie ein Topf auf dem Herd mit Maiskörner. Das vom Ostwall, 

Kapuzinerstraße und Sandsteg umschlossene Innenstadtquartier steht vor seiner dritten großen Veränderung.

 

Der ursprünglichen Plan, zur Eröffnung des neuen Geschäftszentrums eine Bildausstellung zum Gedenken an das vor 600 Jahren 

gegründete Klosters Nazareth anzufertigen, entwickelte sich zunehmend, eben wie Popkorn. Mitte 2017 gründete sich aus dem 

AAK heraus die Arbeitsgruppe für dieses „kleine" Dokumentationsprojekt. Jetzt wurde die entsprechende Ausstellung eröffnet. 

Nachdem Gerd Halmanns zur Eröffnung in der neuen Geschäftsstelle des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend die 

Grußworte des Vereins und den Dank an die Akteure übermittelt hatte, berichtete Klaus Oerschkes als Projektleiter 

in seinen Einführungsworten vom Projektverlauf. Um die hier vorhandene Ausstellung des AAK auf die Beine beziehungsweise 

an die Wände zu bringen, haben einige AAK-Mitglieder mit großen Engagement Archive besucht, Bücher, Bilder, alte Postkarten,

verschiedene Stadtansichten und Grabungsberichte ausgewertet. Die vorhandene Bild- und Textbeiträge aus den Gelderner 

Heimat Kalendern sowie ein Zeitzeugenbericht rundeten das Bild zum Bebauungsbereich ab.

Beim Einführungsvortrag wurde auch auf die in der damaligen Zeit nicht zu unterschätzende Verantwortung der Schwestern 

gegenüber den Mitmenschen in Bezug auf die Armen- und Krankenpflege eingegangen. Nachdem sich die Schwestern den 

Augustinerinnen angeschlossen haben, wurde ab 1450 eine leistungsfähige Schreibstube errichtet. Die in Geldern geschriebenen 

Texte und Textbeiträge wurden in ganz Europa verbreitet.

 

Ab 1802 erfolgte mit der Verweltlichung des Klosterbesitzes die erste Phase der schrittweisen Umnutzung von 

Gebäuden und Grundstücksflächen. Die Klostergebäude wurden als Turnhalle, Schulen, Brauerei, Spirituosenfabrik usw. genutzt. 

Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte die zweite Phase der Veränderungen mit neuen Nutzungszielen wie Berufsschule und 

Berufskolleg. Auch die dritte Phase der Veränderungen dieses Stadtquartiers, Umnutzung zum Einzelhandelsstandort, wird in 

der Ausstellung dokumentiert.

 

Archäologische Untersuchungen zeigen aber auch, dass bereits in frühgeschichtlicher Zeit Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit 

in diesem Bereich zu finden sind. Ganz nebenbei erkläre Klaus Oerschkes die Widersprüche im Ausstellungstitel 

Kloster  Nazareth, Augustinerinnen an der Kapuzinerstrasse und das Kapuzinertor.

 

Die Ausstellung ist bis zum 2. Oktober jeweils zu den Öffnungszeiten der neuen Ge­schäftsstelle auf der Hartstraße 4-6 in 

Geldern Dienstag, Freitag und Samstag von 10 bis 12 Uhr sowie Mit twoch von 16 bis 18 Uhr zu besichtigen.

 

(Quelle: NN v. 22. 9. 2018)

          

 

ern und Umgegend e.V.  Hartstr. 6 D-47608 Geldern email