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Geldern-Atlas

Karten und Texte zur Geschichte eines Territoriums

GELDERLAND. Das ehemalige Herzogtum Geldern war bereits im Mittelalter ein bedeutendes Territorium, sein Gebiet, das sich in vier „Quartiere" gliederte, wurde allerdings seit dem 16. Jahrhundert mehrfach geteilt und gehört heute unterschiedlichen Nationalstaaten an. Doch gerade im deutschniederländischen Grenzraum nimmt es eine wichtige Brückenfunktion wahr. Um so erstaunlichen ist, dass die Geschichte Gelderns in fast allen deutschen und niederländischen Geschichtsatlanten kaum berücksichtigt wird; einen Atlas zur geldrischen Geschichte gab es bisher überhaupt nicht. Diese Lücke möchte die Veröffentlichung von Irmgard Hantsche schließen, die unter dem Titel „Geldern-Atlas. Karten und Texte zur Geschichte eines Territoriums" als Nr. 103 der Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend erschienen ist.

Das Buch umfasst 128 Seiten und enthält in vier systematisch gegliederten Abschnitten insgesamt 45 ganzseitige farbige Karten., Nach der anfänglichen topographischen Übersicht bieten 15 Karten in chronologischer Abfolge vom Mittelalter bis zur Gegenwart einen Überblick über die politische Geschichte, territoriale Entwicklung und Verwaltungseinteilung des heute zum Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und zum Königreich der Niederlande gehörenden Gebiets des ehemaligen Herzogtums Geldern. 15 Karten betreffen die Sozial-, Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte, 9 die kirchliche Situation, religiöse Bewegungen und Institutionen sowie die Konfessionsverteilung, 7 Karten widmen sich Einzelthemen der Geistes- und Kulturgeschichte. Alle Karten wurden von Irmgard Hantsche entworfen, die bis 2002 Professorin an der Gerhard-Mercator-Universität in Duisburg war und auch Autorin des 1999 erschienenen „Atlas zur Geschichte des Niederrheins" (4. Auflage 2000) und des kleinen Atlas „Preußen am Rhein" (2002) ist. Die Karten des Geldern-Atlas wurden - wie auch schon bei den beiden vorangegangenen beiden Atlanten - wieder in bewährter Weise mit dem Programm Free-Hand von Dipl.-Ing. Harald Krähe gezeichnet, der als Kartograph an der Universität Duisburg-Essen tätig ist. Alle Karten sind übersichtlich gestaltet. Ihre gut überlegte und nach einheitlichen Prinzipien vorgenommene Farbigkeit stellt eine wichtige Hilfe bei der Einordnung politischer, territorialgeschichtlicher und konfessioneller Zusammenhänge dar, Piktogramme erhöhen zudem die Eindringlichkeit vieler thematischer Karten. Jeder Karte ist ein einseitiger Text gegenübergestellt, der den historischen Hintergrund der Karten erläutert und Zusatzinformationen bietet, die kartographisch entweder nicht darstellbar sind oder aber aus Gründen der graphischen Übersichtlichkeit ausgespart wurden. Abgeschlossen werden die Texte durch einschlägige Literaturhinweise. Karte und Textseite bilden jeweils eine Einheit und sind also solche auch für sich genommen verständlich, so dass das Buch nicht nur als Gesamtdarstellung, sondern auch als Nachschlagewerk benutzt werden kann. Zusätzlich enthält der Band als einführenden Beitrag eine Überblicksdarstellung, die auf neun Seiten in Form eines Längsschnitts durch die Geschichte Gelderns vom Mittelalter bis zur Gegenwart führt und den Gesamtzusammenhang herstellt. Die territorialgeschichtliche Entwicklung wird zudem in noch knapperer Form durch eine Chronologie übersichtlich und schnell nachvollziehbar.

Insgesamt richtet sich das Buch nicht nur an Fachhistoriker, Studenten und Schüler, sondern auch an ein allgemein landesgeschichtlich interessiertes Publikum diesseits und jenseits der deutschniederländischen Staatsgrenze. Das Buch ist zum Preis von 9,90 Euro erhältlich.

(Niederrhein Nachrichten v. 22./23. 11. 2003)

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